In den Anden unterwegs

eingetragen in: Südamerika 2017-2022 2

Intro

Gemeinsam mit Regine und Wolfi erkundeten wir Santiago de Chile und die chilenische Küste nördlich von Valparaiso. Dani genoss einen ruhigen Flug in Maitencillo und wir alle zusammen die spontane südamerikanische Gastfreundschaft. Getrennte Wege führen uns nach Norden, unsere Reisepartner wieder zurück in den Süden von Chile.

Im Gebiet der Pässe „San Francisco“ und „Pircas Negras“ tummelten wir uns während einer Woche. Die Faszination der Hochebenen und Wüsten der Anden lässt uns auch nach etlichen Andenüberquerungen nicht los. Das erste Mal konnten wir dank Condorito uns langsam an die Höhe gewöhnen und die Umgebung ausgiebig erkunden. Wir erlebten landschaftlich die schönste Fahrt, die wir je hatten!

 

Gastfreundschaft in Maitencillo

Regine und Wolfi begleiteten uns auf dem Weg nach Norden bis nach Maitencillo. Mit Taxi und Bus fuhren wir vom Campingplatz nach Santiago de Chile, assen in unserem Lieblingsrestaurant „Las Vacas Gordas“, genossen den Ausblick über die Metropole vom „Cerro Santa Lucia“ und tranken ein kühles Bier auf dem „Plaza de Armas“, dem Hauptplatz Santiagos.

Maitencillo ist für Dani ein Muss: Endlich wieder einmal in die Luft. Hier gibt es einen sehr laminaren Wind, optimal zum Fliegen. Wir begleiteten Dani an den Startplatz und schauten ihm zu, wie er an der Küste hin und her soarte; er genoss es in vollen Zügen.

Seit wir mit zwei Fahrzeugen unterwegs sind, erregen wir viel Aufmerksamkeit und es werden regelmässig Fotos geschossen. Claudia erlaubt sich zwischendurch den Spass und geht auf die Leute zu und verlangt CLP 1‘000 (umgerechnet ca. CHF 1.50) für das Foto. Die Leute fangen an zu Lachen und vielfach entsteht daraus ein spannendes Gespräch. Carlos hat unsere Schweizer Autonummer erkannt und erzählte uns, dass sein Sohn für 6 Monate ein Austauschstudium in Fribourg gemacht hat. Er hat ihn nach Ende der Schulzeit in der Schweiz abgeholt und sie erkundeten gemeinsam unsere Hauptstadt vor der Rückreise nach Chile. Wir verabschiedeten uns bereits und plötzlich kam er nochmals auf uns zu: Wo wir denn heute Nacht übernachten? Auf einem Campingplatz südlich von Maitencillo. Kurzentschlossen lud er uns ein, unsere Fahrzeuge bei seinem Ferienhaus über Nacht abzustellen. Das gastfreundschaftliche Angebot nahmen wir gerne an und luden ihm im Gegenzug zum Nachtessen zu „Fajitas“ ein.

Gemeinsam mit Regine und Wolfi zu reisen hat riesig Spass gemacht: Danke euch beiden ganz herzlich, dass ihr uns während 10 Tagen begleitet habt und wir gemeinsam eine wunderschöne Zeit verbringen durften!

 

Paso San Francisco

Den Pass kannten wir bereits von einer früheren Reise her. Dazumal waren wir aber nur mit einem Mietauto unterwegs und überquerten ihn innerhalb von 2 Tagen. Dieses Mal wählten wir eine andere Anfahrtsroute und liessen uns viel Zeit für die Akklimatisation an die Höhe. Auf dieser Strecke gibt es kaum Verkehr, so konnten wir Condorito abends neben der Strasse hinstellen und in absoluter Ruhe übernachten. Ab 3‘000m wurde es ziemlich kalt in der Nacht, ab 4‘000m waren die wenigen Kondenstropfen am Dach morgens jeweils gefroren, obwohl hier oben eine Luftfeuchtigkeit von 20% herrscht.

Die „Laguna Santa Rosa“ war das erste Highlight, ein langer Schwatz mit dem Verantwortlichen des Refugios (Bergsteigerhütte) sehr interessant. Er lebt seit 2 Jahren auch im Winter hier oben und ist von der Umwelt abgeschlossen, wenn 2m Schnee liegen. Die Flamingos welche während den Sommermonaten zahlreich nach Krebstieren und Algen suchen, sind dann in anderen Gegenden unterwegs, die Lagune ist komplett zugefroren.

Nahe an der Grenze zu Argentinien liegt die „Laguna Verde“. Hier gibt es direkt neben dem flachen türkisfarbenen Gewässer ein paar heisse Quellen. Trotz des bissig kalten Windes stiegen wir in ein solches Pool hinein und genossen das schön warme Nass. Zum guten Glück konnten wir Condorito beheizt direkt daneben parkieren, so waren wir nicht ganz durchfroren beim Ausstieg.

Auch bei der „Lagune Negro Francisco“ gibt es ein Refugio, welches aber momentan leer steht. Etwas im Windschatten parkten wir Condorito, tagsüber bläst hier der Wind mit enormer Kraft. Der Sonnenuntergang liess den 6‘000m hohen Vulkan „Copiapo“ sowie die Gipfel des „Nevado Tres Cruces“ hinter der Lagune im schönsten Licht erscheinen. Sobald es dunkel wurde, stellte auch der Wind ab und ausser eines Fuchses, welcher uns in der Nacht besuchte, waren wir allein.

 

Durch eine Goldmine zum Paso Pircas Negras

Dani hat uns einen ganz kleinen Track auf der elektronischen Karte herausgesucht, damit wir von der „Laguna Negro Francisco“ (ohne 500km Umweg über die Stadt Copiapo) zum „Paso Pircas Negras“ gelangen können. Wir hatten die chilenischen Zöllner und jeden den wir im „Paso San Francisco“ Gebiet getroffen haben gefragt, ob dieser Track existiert und passierbar ist. Uns konnte niemand diese Frage beantworten. Zum guten Glück trafen wir zwei Nationalpark Ranger am Tag zuvor. Sie erklärten uns, dass der Track durch die Tagbau Goldmine „Maricunga“ führt. Wir sollen am gesperrten Nordtor die Durchfahrt verlangen, denn die Strasse gehört dem Staat und nicht der Minengesellschaft.

Gesagt, getan. Der Track dorthin war in einem üblen Zustand, viele Bulldust-Löcher und immer wieder Wellblech vom schlimmsten. Wir wollten uns gar nicht vorstellen, dass wir wieder umkehren müssen, falls die Durchfahrt nicht klappt. Am Tor wurden wir von der Security empfangen und es wurde uns gesagt, dass seit einiger Zeit die Strecke südwärts gesperrt sei, da die Dorfbewohner die Strasse blockiert haben. Wir mussten unsere ganzen Personal- und Fahrzeugdaten angeben und warteten eine Stunde, bis wir die Erlaubnis zur Durchfahrt erhielten. Ob wir auch durch die Strassensperre durchkommen, konnte uns die Security nicht eindeutig beantworten. Die Polizei sei durchgekommen, dann sollte es auch für uns Touristen möglich sein, war die Antwort. Begleitet von der Security passierten wir das Minengelände auf einer super ausgebauten Strasse und wunderten uns, warum hier so wenig los ist. Nach 5km erreichten wir das Südtor und der Security Mitarbeiter wünschte uns viel Glück für die Weiterfahrt. Wir waren auf 4‘500m und die ebenfalls gut ausgebaute Strasse führte uns durch eine wunderschön farbige Schlucht hinunter. Schon von weitem sahen wir die Strassensperre: Ein Lastwagen und ein Pickup standen quer an einer engen Stelle und bildeten die Blockade. Wir stiegen aus, begrüssten die Männer und erklärten, wir seien auf der Fahrt zum „Paso Pircas Negras“. Sie besprachen sich kurz, stellten die Fahrzeuge auf die Seite und gaben grünes Licht für dich Durchfahrt. Wir erkundigten uns über den Grund der Blockade: Treibstoff und/oder Chemikalien seien in den Fluss gelaufen und haben das Wasser für Menschen und Tiere kontaminiert. Seit dem blockieren sie für die Minengesellschaft die Zufahrt, damit diese endlich verstehen, dass die Bevölkerung und die Natur in der Region ohne sauberes Wasser nicht mehr existieren kann. Diese Blockade und auch die vorübergehende Sperrung der chilenischen Behörde wegen der Umweltkatastrophe haben bewirkt, dass die Mine seit 2016 nicht mehr arbeiten kann. Wie schon letztes Jahr in Famatina hat uns wütend gemacht, dass ausländische Firmen wegen hoher Renditen alles ausbeuten ohne Rücksicht auf Umweltkatastrophen. Sobald es keine Mineralien mehr gibt oder sie blockiert werden, sind sie weg und nichts wird aufgeräumt und richtig entsorgt. Wir staunten auch hier wieder über den Mut der Dorfbevölkerung, sich mit einfachen Mitteln zu wehren und wünschen uns, dass sie Erfolg haben und es zu solchen Katastrophen gar nicht mehr kommt.

Kurz bevor wir die Passstrasse zum „Pircas Negras“ erreichten, trieben 3 Gauchos ihre Pferde durch ein enges Tal zusammen, um sich einzelne Tiere näher anzusehen. Sie riefen uns hoch zu Ross zu, wir sollen nach vorne zum Coral kommen, wo wir das Schauspiel aus nächster Nähe beobachten konnten. Es war sehr eindrücklich, mit welcher ruhigen Art sie sich bewegten und mit welcher Präzision sie das gewünschte Pferd mit dem Lasso einfingen.

 

Paso Pircas Negras

Dieser Pass ist nicht gross befahren, da er beidseits kaum geteert ist. Die Strasse wurde erst vor zwei Wochen geöffnet, da zuerst der Schnee an einigen Stellen weggeräumt werden musste. Bereits die Fahrt hoch noch auf der chilenischen Seite zum „Paso Pircas Negras“, durch die engen Schluchten, die steilen Berghänge und die farbigen Bergkuppen war unbeschreiblich. Um über 4‘000m erstrahlten die Büsser Schneefelder noch im schönsten Weiss, ein surreales Bild in dieser gebirgigen Wüstenlandschaft.

Die chilenischen aber auch argentinischen Zöllner liessen sich viel Zeit bei unserem Grenzübertritt. Das erste Mal wurde Condorito gründlich durchsucht. Es ging nicht um Schmuggelware sondern reines Interesse am Innenausbau. Pro Forma tastete die Zöllnerin dann noch etwas den Schlafsack ab, aber eigentlich interessierte sie nur wie unser Klappbett aufgebaut ist. Vor allem der Herd und der Backofen musste Dani ausgiebig erklären und sogar Fotos wurden davon gemacht.

Die Fahrt von 4‘300m führte uns an der „Laguna Brava“ vorbei hinunter durch eine langgezogene Schlucht in die Region La Rioja in Argentinien. Eine solch abwechslungsreiche Fahrt durch verschiedene Fels- und Bergformationen haben wir noch nie erlebt und genossen diese extrem.

2 Responses

  1. Heinz
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    Super Bilder und interessanter Bericht. Geniesst weiterhin die Reise.
    Gruss Heinz

  2. Monika & Kevin
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    Hallo Zäme, das xeht ja super us bi euch 🙂
    Mega schöni Bilder. Gniessets & häbet Sorg.
    Liebi Grüess user leider no nid so chalte aber derfür nasse Schwiiz.
    Monika & Kevin

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