Durch die Schluchten-Oasen des Anti-Atlas ans Meer

eingetragen in: Marokko 2016 3

Auch auf unserer Weiterfahrt lässt uns der Sand nicht los: Ein weiteres Dünengebiet liegt auf unserem Weg und ein Sandsturm macht es unmöglich draussen zu kochen. Bevor wir die Atlantikküste erreichten, tauchten wir in die Schluchten-Oasen des Anti-Atlas ab und suchten vergebens die Felsmalereien. Der weisse Sandstrand der Plage Blanche lud mit seinen farbigen Steinen zum Boccia spielen ein und das erste Brot aus dem eigenen Ofen schmeckte sehr fein.

 

Nach Erg Chebbi durfte natürlich Erg Chegaga mit seinen Sanddünen nicht fehlen. Dieses Mal fuhren wir nicht quer durch, sondern am Rand eines Flusslaufes eine sandige Piste entlang. Eindrücklich waren auf der Westseite des Dünengebietes die topfebenen ausgetrockneten Seen. Mit 80km/h konnten wir wieder einmal richtig brettern und im letzten Moment kleinen Auswaschungen ausweichen. Bald bremste uns ein Sandsturm aus, es war nicht immer einfach die Spur zu halten, da die Sicht wie bei Nebel kaum vorhanden war. Entsprechend fiel auch das Nachtessen am Fusse eines Tafelberges aus: Etwas Kaltes im Windschatten des Unimogs. Erst am späteren Abend liess der Wind nach, die Sandwolken lösten sich auf und gaben eine traumhafte Sicht zum klaren Sternenhimmel frei. Auch dafür lieben wir unseren Condorito: Einschlafen bei offener Dachlucke und anstatt die Schafe die Sterne am Himmel zählen.

Mitten im Anti-Atlas Gebirge fanden wir die Bilderbuch-Oasen, wie man es sich aus 1001 Nacht vorstellt. Die Teerstrasse schlängelte sich durch eine tiefe Schlucht und am Flussbett entlang wachsen Dattelpalmen. Obwohl es hier schon länger nicht mehr geregnet hatte, werden die Oasen mit Bewässerungskanälen versorgt und entsprechend kitschig grün sieht alles aus. Zwischen den Palmen haben die Bewohner kleine Gärten angelegt, darin wachsen auch grosse Feigenbäume. Wenige Häuser sind am Rande des Flussbettes gebaut, die meisten wurden in den steilen Wänden der Schlucht erstellt. Ausser den Strassenarbeitern sah man hier kaum jüngere Leute, diese sind sehr wahrscheinlich in die Städte ausgewandert wo es Arbeit gibt. Bei fast jeder Begegnung am Strassenrand wurde freundlich zurück gewunken, meist etwas zaghaft aber immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Felsmalereien am Südende der beiden Schluchten waren ihren Abstecher wert, obwohl wir die Zeichnungen nach langem Suchen nicht gefunden hatten, entschädigte uns das bisher schönste Plätzchen zum Übernachten direkt im Flussbett umso mehr. Der Sonnenuntergang und am nächsten Morgen der Aufgang liess die roten Felswände noch imposanter erscheinen. Zwei Gazellen fühlten sich durch uns gestört und sprangen mühelos die steilen Flanken hoch.

In Tan-Tan an der Atlantikküste verabschiedeten wir uns von Toni und seinem Hund Lexi. Da er viel Zeit zum Reisen hat und die Wärme geniesst, zog es ihn südwärts in die West-Sahara. Unser Ziel war die Plage Blanche, ein kilometerlanger einsamer Sandstrand. Doch der Weg dorthin war alles andere als einfach. Die Piste der Küste entlang führte am Klippenrand über Stock und Stein und jeder trockene Wasserlauf wurde umfahren. Ein grosser Einschnitt wurde sogar durch die Tiden geflutet und ein mehrstündiger Umweg war nötig. Die Piste verlangte einiges an Konzentration und Geschick, wir waren mehr gefordert als Condorito, dafür litten seine Pneus stark unter den rauen Felsen. Doch nicht nur der Weg war das Ziel, sondern ein traumhaftes Plätzchen für uns alleine direkt am weissen Strand. Endlich konnte Claudia den Gasofen auch ausgiebig testen, Kuchen und Brot wurde gebacken. Die Wartezeit verkürzten wir uns mit Pebbles-Boccia im Sand. Anstatt der Kugeln warfen wir farbige Steine und machten einen Wettbewerb bis zum Wasser und zurück. Am späteren Abend klopfte es an unsere Türe und wir vermuteten einen der zahlreichen Fischer, welcher uns seinen frischen Fang verkaufen wollte. Doch es stand ein Soldat da und wollte unsere Personalien aufnehmen. Wir gaben ihm die Fiche (Personaldatenblatt mit Passnummer) und ein Stück Kuchen. Wir hoffen, dass er jetzt nicht jede Nacht bei Offroad-Touristen anklopft in der Hoffnung auf eine süsse Belohnung.

Nochmals eine kurze Speedstrecke direkt am Wasser entlang und schon hatte uns die Felsenpiste wieder. Obwohl wir nur noch mit 25km auf dieser rauen und verwaschenen Unterlage unterwegs waren, hatten wir das Gefühl kaum noch vorwärts zu kommen. Das letzte Stück der Strecke bis Sidi Ifni war geteert und ein Pfefferminztee und Espresso im Strassencafé lud zum Verweilen ein. Immer wieder werden wir angesprochen wegen unserem Fahrzeug und unserem Schweizer Nummernschild. Die Leute kommen auf uns zu, schütteln uns die Hand und erzählen dann meist, dass sie in einem europäischen Land (meistens Frankreich) gearbeitet hatten.  Zwischendurch erhalten wir sogar eine Visitenkarte, falls wir in irgendwelche Schwierigkeiten geraten, sie seinen jederzeit für uns da, sehr eindrücklich diese Hilfsbereitschaft! Bei unserem nächsten Ziel dem Legzira Felsbogen trafen wir auf andere Offroad-Traveller. Unsere Begegnung und Dani‘s ultrakurzer Flug haben sie in ihrem Blogg festgehalten: Blog Traveling Winklen. Die Nacht verbrachten wir alle gemeinsam direkt auf dem Arch, einem massiven und eindrücklichen Felsenbogen am Meer.

3 Responses

  1. Cécile
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    Hallo liebe Claudia & lieber Dani

    Wow! Macht Spass Eurem Reiseblog zu folgen! Ich wünsche Euch weiterhinn viele tolle und schöne Erlebniss!

    Liebs Grüessli

    Cécile

  2. Roberto
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    He super Bilder
    und auch das Wetter scheint zu stimmen.

    Bei uns kommt bald der Winter, brrrrrrrrr
    Geniesst die Wärme

  3. Rosemarie Kummer
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    Hallo Ihr beiden

    es ist immer schön von Euch zu lesen. Passt auf und werdet nicht übermütig.

    Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Reise und ein heiles heimkommen.

    Liebe Grüsse Rosmarie, Hans, Christoph und Lilian mit Lenny

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