Intro
Unser Ziel war es, Condorito so rasch und sicher wie möglich in einen Container zu fahren und ihn auf die Reise in die Schweiz zu schicken. Anschliessend hatten wir noch Zeit sich von unseren Freunden und Bekannten in Argentinien zu verabschieden, so bald planen wir nicht wieder zurück zu kommen.
Uruguay
Eigentlich wollten wir im Herbst 2017 unsere Weltreise mit Condorito in Südamerika starten. Diese wurde aber nach 2 Monaten abrupt durch den Unfall von Dani beendet. Die folgenden Jahre waren wir nur für kurze Zeit in Argentinien, Chile und Uruguay unterwegs. Im Jahr 2020 machte uns Corona einen Strich durch unsere Reisepläne und die Fahrt in den Nordosten von Argentinien und ins Pantanal blieben ein Traum. Glücklicherweise stand der Camper eineinhalb Jahre sicher und trocken in Uruguay und wartete aufs nächste Abenteuer mit uns.
Nun waren wir am ersten Tag der Grenzöffnung endlich wieder in Südamerika zurück und bereiteten Condorito für seine grosse Rückreise in die Schweiz vor. Die grösste Herausforderung war es, das gesamte Fahrzeug auf 2.58m Einfahrthöhe zu «trimmen», damit er in einem geschlossenen Highcube-Container Platz hat. Condorito ist zu hoch, um einfach in den Container zu fahren, aber dank Stahlfelgen und zwei Spanngurten gelang es uns, die Gesamthöhe um 25cm zu verringern. Etliche Trockenübungen halfen uns, den Ablauf so zu optimieren, damit wir innerhalb von 45min im Container standen. Nun war es am Hafenagenten in Montevideo alle notwendigen Papiere mit dem Zoll, den Hafenbehörden und der Reederei zu koordinieren, um in den nächsten zwei Wochen den Container auf ein Schiff zu verladen.
Diese Wartezeit überbrückten wir mit einem Abstecher in den Westen von Uruguay. Wir hatten unseren Freunden in Argentinien versprochen, Käse für ein Fondue aus Uruguay nach Argentinien mitzubringen und diesen kauften wir in Nueva Helvetia in einer Käserei, welche nach Schweizer Art Käse herstellt. Anfangs 2020 strahlte das Schweizer Fernsehen die «DOK»-Serie «Auf und davon» aus, in welchem sie Susanne und Ruedi bei ihrer Auswanderung nach Uruguay begleiteten. Wir besuchten die Beiden in ihrem neuen Zuhause und Ferienparadies in der Nähe der «Playa Matamora» und verbrachten ein paar Tage dort mit zuhören, erzählen, sehr fein essen und dem Bau eines Sonnendecks.
Den erfolgreichen Verlad von Condorito im Hafen von Montevideo in den Container feierten wir mit einem exzellenten «Bife de Chorizo» und einem erfrischenden Bier. Lange Zeit wussten wir nicht, ob und wie wir überhaupt nach Argentinien reisen können. Dann ging alles sehr schnell: Mit dem Buquebus (Hochgeschwindigkeitsfähre) fuhren wir noch am selben Tag nach Buenos Aires und buchten zwei Tage später einen Flug von der Hauptstadt nach Nordwesten des Landes. Argentinien hatte zeitgleich mit Uruguay die Grenzen für den Tourismus geöffnet und mit den notwendigen Coronatests konnten wir zwar mit viel Papierkram aber trotzdem sehr unbeschwert ein- und weiterreisen.
Amaicha
In Tucuman bei Martina und Fernando angekommen mieteten wir uns ein Auto, kauften für die nächsten Tage ein und fuhren gemeinsam nach Amaicha in ihr «Paradies in der Wildnis». Wir hatten uns viel zu erzählen was in den letzten 3 Jahren passiert war und was sich alles verändert hat, obwohl wir regelmässig via WhatsApp in Kontakt waren. Martina zeigte uns, was sie beide alles neu aufgebaut, kultiviert und geschaffen haben. Das Dauerthema Wasser beschäftigte auch uns etwas, ein Nachbar hatte ihre Wasserleitung ungefragt «angezapft» und dies mussten wir wieder rückgängig machen, da sonst das kostbare Nass nicht reichte. Ihre frisch angepflanzten Malbec-Trauben brauchten alle paar Tage via Tropfsystem Wasser, sonst konnten die jungen Wurzeln nicht anwachsen.
Das Fondue, der Flammenkuchen und die Pizza aus dem Holzofen wie auch der Abstecher ins Weingut «Albarossa» waren die kulinarischen Highlights. Dazwischen erkundeten wir zu Fuss die verschiedenen Pfade und trockenen Wasserläufe, verlassenen Häuser und die neugebaute Trinkwasserfassung oberhalb von La Sala. Die Papageien, Skorpione und Vogelspinnen liessen sich dieses Mal nicht blicken, dafür blühten die Riesenkakteen in aller Pracht. Ein Ausflug in die «Quebrada de las Conchas», der roten Schlucht rundete unseren Besuch bei unseren Freunden ab. Es zog uns weiter Richtung Süden, Marcelo der Gleitschirmpilot von Famatina wartete auf uns.
Fiambalá
Bevor wir aber dort ankamen, machten wir einen Abstecher nach Fiambalá. Die «Dunas de Taton» boten bei Sonnenuntergang ein Gefühl, als ob man am Meer im weissen Sand die Seele baumeln lassen kann. Die aufziehenden Wolken im Abendlicht gaben eine unvergessliche Erinnerung an diesen magischen Ort.
Obwohl die Grenze zu Chile noch komplett geschlossen ist, konnte man bis zum Grenzposten auf der argentinischen Seite den «Paso de San Francisco» hochfahren. Ohne 4×4 Auto nur mit einem normalen PW war die Teerstrasse optimal für einen Abstecher auf 4’200müM. Noch vor ein paar Tagen hätten wir nie gedacht, dass wir die Anden nochmals aus nächster Nähe sehen können. Umso mehr genossen wir den Tagesausflug in die gewaltige Wüstenlandschaft mit den farbigen Bergflanken, wo verschneite Vulkane im tiefblauen Himmel den perfekten Kontrast abgeben und in den eiskalten Lagunen die Flamingos nach Krebstieren suchen. Ein Abstecher am Abend zu den «Termas de Fiambala» war der perfekte Abschluss, um im Thermalwasser die Erlebnisse hier Revue passieren zu lassen.
Famatina
Kaum in Famatina bei Marcelo angekommen, waren wir schon unterwegs zum Startplatz. Dani konnte sich die Ausrüstung ausleihen, da er diesmal ohne Gleitschirm unterwegs war. Ein 45minütiger Flug, bei einer sehr ruhigen und stabilen Abendwindlage war perfekt und das Landebier und das gemeinsame Abendessen mit den lokalen Piloten ein Muss. Sie freuten sich alle sehr, dass endlich wieder ausländische Touristen im Gleitschirm-Hostal sind. Corona war das grosse Thema: Wie ging es euch damit in der Schweiz war von jedem die Frage. Sie haben ein Jahr eingeschlossen in Famatina und Chilecito verbracht, die Dorfeingangs- und Ausgangsstrassen waren mit Sandhaufen blockiert, nur die lebensnotwendigen Transporte erlaubt und Gleitschirmfliegen war verboten. Nach Möglichkeit kultivieren sie nun ihr eigenes Gemüse und Früchte, da die wirtschaftliche Lage eine einzige Katastrophe ist. Aber trotzdem die Lebensfreude und Herzlichkeit haben sie nicht verloren und so feierten wir bis spät in die Nacht das Wiedersehen.
Eine Gruppe Töfffahrer aus Buenos Aires übernachtete ebenfalls bei Marcelo und sie wollten am nächsten Tag in die «Mina la Mejicana» hochfahren. Wir durften mit ihrem Begleitfahrzeug mitkommen, da wir das Gebiet bereits gut kennen und ihnen unterwegs die versteckten Highlights zeigen können. Was sie uns aber leider nicht gesagt haben, dass ihr Fahrzeug nur ein 2×4 Hilux ist. Nach 30km war dann auch im ockerfarbigen Bachbett Schluss, das Geländefahrzeug schaffte den steilen Anstieg mit dem Hinterradantrieb und schlechter Bereifung nicht. Trotzdem war es ein spannendes Abenteuer, auch wenn wir die Mine auf 4’500müM. nicht erreichten. In der Nacht regnete es und kühlte auch entsprechend ab. Wir planten nochmals mit den Töfffahrern gemeinsam unterwegs zu sein, der untere Teil der Transportseilbahn zur La Mejicana war das Ziel. Durch die lokal starken Regenfälle war eine Brücke weggeschwemmt worden, so kehrten wir wieder um und suchten uns einen anderen Weg zur Zwischenstation Nr. 3. Die Flussdurchquerung war für das Auto problemlos, die Motorräder waren schon mehr gefordert, um einen sicheren Weg durch den Schlamm zu finden. Den Abschied feierten wir gemeinsam mit den Töfffahrern und Gleitschirmpiloten bis früh in den Morgen, eine warme sternenklare Nacht am Pool und argentinische Lieder begleitet mit einer Gitarre machten dies einzigartig.
La Rioja
Der Besuch im Nationalpark Talampaya sowie ein Abstecher ins Naturreservat «Valle de la Luna» war wegen weiteren Gewittern nicht möglich. Wenigstens konnten wir im Besucherzentrum die Ausstellung über die Dinosaurierknochenfunde bestaunen und eine Zeitreise im Museum von der Trias-Ära (vor 250 Mio.) bis zum jetzigen Zeitpunkt machen. La Rioja zeigte sich nicht von seiner besten Seite, noch nie mussten wir mit langen Hosen und Jacken in der Stadt unterwegs sein. Auch die Wetterbedingungen für einen Gleitschirmflug waren alles andere als optimal, Dani stand nach 10min wieder am Landeplatz.
Cordoba
Unser letztes Ziel war Cordoba, die Grossstadt im Zentrum von Argentinien. Vor vier Jahren hatten wir südlich von Cordoba Evelyn und ihre Familie in einer abgeschiedenen Gegend kennen gelernt. Wieder hatten wir ein Versprechen einzulösen und hatten etliche Tafeln Schweizer Schokolade dabei. Evelyn studiert Jura, seit Corona lebt sie aber nicht mehr in der Stadt, sondern etwas ausserhalb mit ihrem Freund Gabriel zusammen und macht ein Fernstudium. Wir trafen uns am «Embalse Rio Tercero» in ihrem Ferienhaus. Die Freude war riesig und das Wiedersehen wurde bei einem Asado gefeiert. Die beiden fahren Wasserski seit einem Jahr und zeigten uns von ihrer Jacht aus die schönsten Strände und Plätze am Stausee. Ein paar Versuche mit den Skis durften natürlich von unserer Seite nicht fehlen, aber waren erfolgslos.
Zum Abschluss in Cordoba besuchten wir eine «Milonga», eine öffentliche Tangotanzveranstaltung auf dem Hauptplatz der Stadt. Ein perfekter Abschluss für eine Reise, in die wir keine Erwartungen hatten, aber reich mit Gastfreundschaft, unvergesslichen Momenten und kleinen Abenteuern beschenkt wurden.
Schweiz
Condorito kam 2 Monate nach der Verschiffung im Container in «Rheinhafen» in der Nähe von Basel an. Er hat die lange Seereise und die Fahrt auf dem Rhein unbeschadet überstanden, nur mit den kalten Temperaturen kann er aber auch wir uns nicht anfreunden.






































































































Steiger Thomas
Unglaublich spannend Eure Reise hier zu verfolgen und dies von Euren Foto Impressionen zu visualisieren.
Jürgen Kössler
Tolle Foto 🙂
Walter Lüscher
Hallo Claudia und Dani
Erlebnisbericht und Bilder aus Argentinien und Uruguay schlicht mitreissend, herzlichen Dank,
wir habens sehr genossen!
Eure Lebens-und Abenteuerlust ist grossartig!
Ja, und bald gehts ja wieder los in andere Gefilde, toll, weiterhin viel Freude und Erfüllung!
Stefan Brugger
Wie immer eine tolle Geschichte mit super Bildern.
Liebe Grüsse
Stefan
Fredi Spillmann
Hola Claudia und Dani
Immer wieder geniesse ich eure Reiseberichte mit Genuss.
Freue mich schon auf den nächsten Bericht.!!
Ganz liebe Grüsse
Fredi