Im westlichen Teil erstreckt sich der Gros Morne Nationalpark über ein weites Gebiet, bekannt für seine einzigartige Kombination von geologischen Eigenschaften, welche die offengelegte Erdkruste in den Tablelands zeigen. Aber auch dichte Vegetation und das Küstentiefland am St.-Lorenz-Golf bieten viel Abwechslung. Bevor wir Neufundland mit der Fähre nach Labrador verliessen, erwarteten uns zwei lang ersehnte Überraschungen auf der Offroadstrecke.
Bevor wir das Highlight von Neufundland, den Gros Morne Nationalpark erkundeten, kletterten wir in luftige Höhen. Im Kletterseilpark in der Talstation des Skiresorts Marble Mountains konnten wir auf 3 Ebenen unser Balancegefühl, Gleichgewicht und die Koordination ausgiebig testen. Mit einer luftigen Erfahrung reicher und mit weichen Knien, wartete das nächste Abenteuer auf uns.
Die Tablelands liegen im Süden des Nationalparks und sind eine geologische Besonderheit. Mitten in der Seenlandschaft, im Wald und den Sumpfgebieten erhebt sich ein wüstenartiger und karger Tafelberg. Das bedeckte Wetter war perfekt, das Handy mit GPS und elektronischer Karte eingepackt und wir unterwegs, um vom Fuss des Tafelbergs über die Hochebene wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen. Die Wanderung war mit 500 Höhenmeter, 12km Distanz und einer Wanderzeit von 6-8 Stunden angegeben. Den Hinweis, dass es keinen markierten Weg gibt, nahmen wir zur Kenntnis und staunten über das Verhältnis zwischen Wanderzeit und km-Angaben. Bereits der Aufstieg war nicht einfach, nur der Bach gab die Richtung vor, den Weg mussten wir uns über die kleinen und grossen Steinblöcke selbst suchen. Ein paar wenige Steinmandli markierten die schwierigen Stellen über die Felsen im letzten Teil des Aufstiegs. Im Windschatten warteten gefühlt 1’000 hungrige Moskitos auf die Chance ihres Lebens, einen verschwitzten Wanderer anzupicken. Für uns ein Grund, ja keinen Stopp zu machen und so rasch als möglich im Wind der Hochebene anzukommen. Auf den Satellitenaufnahmen sah die Hochebene wie eine grosse Graslandschaft aus, diese entpuppte sich als Sumpfwiesen. Ein Vorwärtskommen auch hier ein Spiessrutenlauf: Den Weg zwischen dem Wasser und den unebenen Graslöchern mussten wir uns mühsam suchen, das GPS gab nur die grobe Richtung vor. Keine Menschenseele begegnete uns, die Aussicht auf die anderen Hügelzüge belohnte das Suchen nach dem Weg und die Müesliriegel schmeckten so gut wie nie zuvor. Der Abstieg war dann nochmals eine Herausforderung, ohne GPS und Karte wären wir verloren gewesen und hätten den Weg zwischen den steilen Flanken nicht gefunden. Das lose Gestein machte das Hinunterkommen sehr schwierig, die Wanderstöcke waren Gold wert, um wenigstens ein bisschen halt zu haben. Zurück auf dem Campingplatz im Nationalpark kochten wir uns schnell etwas zum Nachtessen und waren mit den Hühnern in den Federn.
Nach einem Ruhetag dann eine gemütliche Wanderung von den «Berry Hills» zum «Baker’s Brook Falls», durch Himbeerfelder zu den Wasserfällen. Von den 5’000 Elchen, welche im Nationalpark leben, sahen wir zwar etliche Spuren im Sumpf, aber keiner liess sich blicken. Im nördlichen Teil des Nationalparks bildeten die Fahrt entlang der Küstenstrasse ein schöner Abschluss.
Unsere Offroad-Abenteuerlust wurde in Neufundland bis jetzt noch nicht gestillt, bis Dani auf der Karte doch noch einen Track für uns gefunden hat. Bis jetzt waren alle Offroad-Strecken nur für ATV’s und Motorräder möglich, die Spuren zu schmal und für uns nicht befahrbar. Doch endlich hatten wir Glück, 60km auf Forststrassen, wo das viele Holz aus den Wäldern abtransportiert wird. Die Wege nicht sehr anspruchsvoll, aber voller Schlaglöcher und teilweise mit tiefen Furten. Nach 40km dann wieder die ersten Zeichen von Zivilisation: Ferienhäuschen im Nirgendwo. Einiger dieser Hütten werden sicher auch im Winter genutzt, das Schneetöff fahren ist hier sehr beliebt. Und das schönste von diesem Abstecher: Wir haben unsere ersten zwei Moose (Elche) gesehen, einer direkt auf dem Track, der andere Bilderbuch-mässig im Grassumpf am Fressen.



















Jürgen Kössler
Wie immer sehr beeindruckend.