Quebec

eingetragen in: Kanada 2022/2023 2

30km südlich von Labrador City beginnt Quebec, die grösste Provinz in Kanada. Entsprechend nahmen wir uns auch Zeit, den nördlichen befahrbaren Teil zu erkunden und die Grossstädte Montreal und Quebec auszulassen. Die Abwechslung zwischen Fahrten im abgelegenen Wald, ganz besonderen Tierbeobachtungen, Spass auf dem Wasser, abtauchen in die Goldmine und einem frischen Baguette mit Boursin liessen diesen Teil der Reise zu einem speziellen Erlebnis werden.

Der Wechsel der Provinzen von Labrador nach Quebec war frappant, nicht nur wegen den Beschriftungen der Strassenschilder auf Französisch. Der Fahrstil der Autofahrer, das Angebot im kleinen Lebensmittelgeschäft und sogar die Landschaft änderte sich rasch. Und wir hatten eine Strecke von 200km über Forststrassen gefunden, welche uns direkt zum «Sankt-Lorenz-Strom» brachte. Ein Teil dieser Strecke folgte der Bahnstrecke zwischen «Lab City» und «Port Cartier». Etliche Minenzüge kamen uns entgegen, südwärts vollbeladen mit Eisenerz, nordwärts leer. Der Track kreuzte einige Male das Schienentrasse mit teilweise abenteuerlichen Schienenquerungen. Alle 20km gibt es Ausweichstellen, heute elektronisch überwacht, früher mit entsprechender Infrastruktur und Häusern. Diese leerstehenden Gebäude haben einen «Ghost Town» Charakter in der abgelegenen Gegend. Bärenspuren beim Übernachtungsplatz in der Wildnis brachten uns dazu, Abwaschwasser nicht direkt beim Camper auszuleeren, sondern 100m weiter zu entsorgen. Unheimlich in der Nacht sind nicht die Geräusche, sondern die Stille. Das Hirn gaukelt einem alles möglich an Tönen vor, welche gar nicht existieren.

Zwischendurch brauchten wir wieder einmal einen Adrenalinkick, Dani hatte seinen Gleitschirm nicht mitgenommen. Beim «White Water Rafting» auf dem Fluss «Métabetchouan» fanden wir ihn zwar nicht, hatten dafür aber sehr viel Spass und eine angenehme Abkühlung bei den heissen Temperaturen. Unser Zodiak-Guide «Sami» verstand es Wissenswertes über die verschiedenen Flussabschnitte zu vermitteln und gleichzeitig den Abenteuer-Charakter spielerisch über die Stromschnellen beizubehalten, obwohl es nicht sehr viel Wasser im Fluss hatte. Dass er Tourismus studiert hatte und aktiv lebt, merkten wir, als wir im letzten Abschnitt gemütlich zur Basis zurückruderten. Er stellte uns gezielt Fragen über unsere vergangenen Reisen, die schönsten Erlebnisse unterwegs und unsere Lieblingsdestinationen. Ein absolut gelungener Nachmittag im Neopren-Anzug, welcher viele Erinnerungen an unsere Zeit als Tauchlehrer in Thailand aufleben liess.

Im Herz von Quebec waren wir wieder 500km Offroad unterwegs. Unser Ziel war es, den perfekten Platz zum Sein inmitten im Wald zu finden. Die Ansprüche waren hoch: Keine lästigen Mücken, direkt am See, Schatten und kein aufgewirbelter Staub der Holz-Lastwagen. In der ersten Nacht übernachteten wir direkt im «Süssigkeiten-Paradies»: Bärendreck (Schweizerdeutsch für Lakritze) und Bärentatzen (Schoggiguetsli mit weihnachtlichen Gewürzen) direkt neben dem Camper und jede Menge Blueberries (Heidelbeeren) um uns herum. In der zweiten Nacht fanden wir zwar einen kleinen See, aber ein Bieber hatte den Zufahrtsweg geflutet und wir mussten wieder umdrehen. Schlussendlich standen wir inmitten einer abgeholzten Lichtung, alles andere als romantisch aber wenigstens mit einem gewaltigen Sternenhimmel in der Nacht und einer weiteren Begegnung mit einem Elch. Am dritten Abend wurden wir dann endlich fündig: Alle Kriterien wurden erfüllt und ein kühles Bad im moorigen See der perfekte Abschluss eines staubigen Tages auf den Forststrassen. Bis Dani einen Blutegel am Ufer entdeckte und er die Frage stellte: «Wie würde man diesen entfernen, falls er angesaugt hat?». Das Nachtessen vom Grill mit Kartoffeln, Maiskolben und Würsten (endlich haben wir solche gefunden die nicht Süss schmecken) war ein Festessen und das Bier dazu ein Traum. Die Kanadier verstehen Bier zu brauen, von unserer Lieblingssorte «IPA» gibt es fast jeden Abend ein Neues zu probieren. Auf den letzten 50km zurück in die Zivilisation begegnete uns zwei Bieber auf dem Track. Warum sie im Gänsemarsch unterwegs waren, fanden wir nicht heraus. Wir näherten uns zu Fuss und mit Condorito bis auf ein paar Meter; sie standen still und wir beobachteten uns gegenseitig, bis sie im Gebüsch verschwanden.

Val d’Or, bedeutet «Tal des Goldes» und ist ein kleines Städtchen im Osten von Quebec. Wie könnte es anders sein, wir waren wieder einmal in einer stillgelegten Goldmine unterwegs. Im Jahr 1923 wurde das Goldvorkommen entdeckt und 1935 wurde die Mine in Betrieb genommen. 50 Jahre später war sie erschöpft und wurde geschlossen. Zuerst untertags mit einem Minentruck und zu Fuss, dann oberirdisch im Aufzugs- und Maschinenraum und um das Fördergerüst. Im «The Assay Office», dem Labor und Prüfungsamt des wertvollen Metalls fühlten wir uns heimisch. Das Periodensystem an der Wand, die Glaswaren und die Präzisionswaage (ein Zürcher Fabrikat) sowie das Spektrometer waren zwar aus einer vergangenen Zeit, aber uns sehr vertraut.

Kurz vor der Grenze zu Ontario hatte Dani eine tierische Begegnung, welche fast mit einem Sechser im Lotto zu vergleichen ist. Eigentlich holte er den Fotoapparat und das Teleobjektiv, um einen Weisskopfadler auf einem Baum am entgegengesetzten Flussufer zu fotografieren. Der Adler war in der Zwischenzeit davongeflogen, so konzentrierte er sich auf das Fotografieren von Wasserläufern. Plötzlich schwamm etwas vom Ufer los, aber es war kein Bieber. Was war das Tier mit den langen Ohrpinseln? Ein kanadischer Luchs schwamm von einem Flussufer zum anderen. Sie sind gute Schwimmer, gehen aber meist nicht freiwillig ins Wasser. Im Gegensatz zu Europa sind Sichtungen des Luchses hier keine Seltenheit. Unseren ersten Luchs hatten wir vor 3 Wochen am Rand des Tracks gesichtet, er trottete gemütlich in das Unterholz und verschwand im Dickicht. Aber diese Wildkatze schwimmend zu sehen, das wird Dani nie mehr vergessen.

2 Responses

  1. Jürgen Kössler
    |

    Sind wieder Schöne und interessante Aufnahmen dabei

  2. Walter Lüscher
    |

    Liebe Claudia und Dani
    ich möchte mich herzlich für euern jüngsten Reisebericht bedanken. Er ist wie immer eindrücklich und
    wunderschön bebildert. Es ist stets ein Vergnügen, eure Spuren verfolgen zu können. Macht weiter so!
    Mit besten Grüssen

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