Altbekanntes und viel Neues, Berge und Urwald, Hitze und Kälte, Chilbi und Ruinen und eine einmalige Pflanzen- und Tierwelt begleitete uns auf unserem nächsten Reiseabschnitt durch Mexico. Das absolute Highlight: 24 Guacamaya Sichtungen. Aber auch Brüll- und Klammeraffen, welche sich durch die Bäume schwingen sowie grosse Leguane und Krokodile, die sich am Flussufer in der Sonne aufwärmen.
Guanajato
Die Regenzeit hat Condorito in der trockenen Einstellhalle perfekt überstanden. Es hat diesen Sommer in Mexico so viel geregnet wie seit Jahren nicht mehr, die Wasserreserven sind wieder gut aufgefüllt. Bis wir reisebereit waren, dauerte es ein paar Tage und zudem erhielt Condorito neue Bremsbeläge und perfekt geschliffene Bremsscheiben vorne.
Den Reisebeginn hatten wir so geplant, dass wir dieses Mal den «Dia de los Muertos» in «San Miguel de Allende» hautnah miterleben durften. Schon am Nachmittag waren an öffentlichen Plätzen überall Schminkbuden aufgestellt und Frauen liessen sich die aufwändigen Catrina- und Männer die Totenschädel-Bemalungen auftragen. Die Köpfe wurden mit teils echtem Blumenschmuck und Hüten verziert und prachtvollen Kleider angezogen. Nicht nur die Menschen wurden geschmückt, auch die Hauseingänge wurden mit Naturmaterialien dekoriert und kleine Altäre zum Gedenken der Toten aufgestellt. Nach dem Eindunkeln zogen ganze Gruppen durch die engen Gassen der Altstadt. Wir liessen die Nacht zusammen mit Rieke und Udo bei einem traditionellen mehrgängigen Menu ausklingen, es war sehr schön euch wieder zu sehen und eure Freunde kennen zu lernen, herzlichen Dank!
Estado de Mexico
In “Valle de Bravo” wie auch in der Umgebung von “Tenancingo” verbrachten wir insgesamt drei Wochen in bekannter Umgebung und wurden mit offenen Armen empfangen. Marta und Daniel freuten sich sehr uns wieder zu sehen und Claudia half Marta einige Male in der Küche, um die Gleitschirmflieger zu verpflegen. Am Morgen vorher waren wir gemeinsam auf dem lokalen Früchte- und Gemüsemarkt, um die feinen Sachen einzukaufen. Jetzt kann Claudia eine typische «Malinche»-Mole machen: Bestehend aus einer reichhaltigen und scharfen Gewürzmischung, dunkler Schokolade, Hühnerbouillon und etwas Zucker. Diese Sauce wurde mit einem gegarten Hühnchen, Bohnen und Reis serviert und schmeckte hervorragend! Aber auch Martin, pensionierter Polizist und heutiger Gleitschirmpilot freute sich ungemein über unsere Rückkehr. Wir verbrachten zusammen mit ihm, seiner Frau Lupita und seinem Sohn Carlos einen spannenden Abend mit dem besten Tiramisu ausserhalb Italiens.
Dani hatte diesem Mal mehr Wetterglück und es gelangen ihm kürzere und längere Flüge mit einigen Top-Landungen direkt unterhalb des Startplatzes «Malinche». Aber auch in «Malinalco» flog Dani schön lange in der hügligen Vulkanlandschaft zusammen mit Kevin und Derek, Piloten aus Westkanada. Die beiden Walliser Piloten Nicolas und Thierry waren nur kurz hier, aber zwischendurch waren mehr Schweizer Piloten am Startplatz als Mexikanische.
Die Stadt «Tenancingo» ist absolut nicht touristisch. Man grüsst sich auf der Strasse und jeweils am Donnerstag und Sonntag trifft sich die Region auf dem «Bauern»-Markt. Dazu gehört auch ein Morgenessen mit Kichererbsen-Consommé und dazu Poulet eingewickelt in Maistortillas mit Zwiebeln, Tomaten, scharfer Sauce und viel Koriander. Nach zwei Wochen wurde Claudia jeweils herzlich begrüsst an den Marktständen und auch die Sammeltaxifahrer wussten schon vorher, wohin sie wollte.
Morelos
Die Fahrstrecke von den Bergen zum Meer brachte uns durch den Bundesstaat «Morelos». Hier scheinen die Bewohner ein unterschiedliches Sicherheitsbedürfnis zu haben, als in den anderen Staaten Mexicos. In der Stadt «Cuernavaca» werden hohe Mauern um die Häuser gebaut und mit Nato-Stacheldraht zusätzlich gesichert. In der kargen Gegend zum pazifischen Ozean sind Dörfer und Häuser rar und die lange Fahrt auf der «Autopista del Sol» (Autobahn zwischen «Mexico Stadt» und «Acapulco») war nicht gerade abwechslungsreich.
Guerrero
Übersetzt heisst «Guerrero»: Krieger. Ein «Krieg» hatten wir nur mit den Schlaglöchern, diese tauchen unvermittelt auf und darunter verbergen sich ganze «Höhlensysteme». Kurz vor dem Lebensmittelladen in «Acapulco» klaffte ein so grosses Loch im Teer, nicht markiert und brandgefährlich für Vorderachse und einen Totalschaden. Aber auch die unmittelbare Hitze und hohe Feuchtigkeit am Meer war in den ersten Tagen nicht einfach zu ertragen. Wir blieben einige Nächte in einer ehemaligen Schildkröten-Auffangstation und verbrachten viel Zeit am und im Wasser. Leider liess sich nachts keines dieser urigen Tiere zur Eierablage blicken und auch die jungen Schildkröten schlüpften an anderen Tagen.
Dafür entschloss sich ein Ameisenvolk für den Umzug in unser rollendes Zuhause. Kaum einen Millimeter gross, passten sie problemlos durch das Fliegengitter am Dach und kamen zahlreich und sehr flink in ihr neues Wunschzuhause. Nur wurden sie von uns nicht willkommen geheissen, erst mit der mexikanischen Chemiekeule konnten wir dem rasenden Treiben einigermassen einen Riegel vorschieben. Condorito war so begehrt: Es blieb uns nichts anderes übrig und wir musste uns einen neuen Übernachtungsplatz ohne Ameisen an der Küste suchen.
Oaxaca
Die Wellen am pazifischen Ozean, wenn nicht durch ein Riff oder Felsen abgebremst, machen Schnorcheln am Strand fast unmöglich. Wir hatten Glück und fanden einen geschützten Platz in der Bucht «Bahia de San Augustin». Das Riff bestand aus uralten zusammengewachsenen Korallen, welche bei Ebbe bis kurz unter die Wasseroberfläche ragen. Viele Riffbarsche und Schwarmfische waren vor Sonnenuntergang auf Nahrungssuche. So auch eine Zebramuräne, welche in kleinen Höhlen und Spalten nach etwas Essbarem suchte und einen Seeigel fand. Plötzlich hatte der gestreifte aalartigen Knochenfisch einen Stachelkopf und schwamm für uns orientierungslos herum. In Wahrheit aber versuchte die Muräne die richtige Stelle beim Seeigel zu finden, um ihn zu knacken. Es dauerte einige Minuten und der Seeigel war Geschichte.
Chiapas
Der freie Staat Chiapas sorgt kurz vor der Jahrtausendwende für Schlagzeilen: Die Guerilla kämpfen für die Rechte und die freie Entwicklung der indigenen Bevölkerung und diese wurde von der mexikanischen Armee mit massiver Gewalt niedergeschlagen. Die indigene Bevölkerung anerkennt die Behörde und Polizei auch heute noch nicht an, viele Dörfer werden selbst verwaltet und an den Dorfeingängen werden die wichtigsten Regeln auf Plakaten vorgestellt. Uns fiel auf, dass die Leute hier ärmlich leben, dafür sehr freundlich und hilfsbereit sind. In Sachen Fauna und Flora hat der Staat viel zu bieten. Die Wasserfälle «El Aguacero» sind nur über 700 steile Treppenstufen und eine Kraxeltour dem Flussufer entlang zu erreichen. Mit wenig mexikanischen Touristen zusammen bestaunten wir das Naturschauspiel aus allen Winkeln und kühlten uns unter dem Wasserfall und im Fluss ab.
Der Zoo von Tuxtla zeigt in grosszügigen und naturbelassenen Gehegen die Tiervielfalt Chiapas. Klammeraffen wohnen in einer von Elektrozäunen umgebenen uralten Baumgruppe und schwingen sich mit ihren langen Armen und Beinen und mit Hilfe des Greifschwanzes von Ast zu Ast. Kurz vor unserem Besuch wurde die Futterstelle mit Wassermelonen aufgefüllt und so war einiges los im Blätterwald. Aber auch die Ausstellung von verschiedenen Reptilien faszinierte uns sehr, vor allem die Schwarzschwanz-Indigonatter. Ihre Zeichnungen im hellen Gesicht und die schwarzen Schuppen ergeben optisch eine 3D-Netzstruktur am Körper des Tieres. Natürlich durfte der Quetzal nicht fehlen, welcher bereits in der präkolumbianischen Zeit von den Menschen verehrt wurde. Mit seiner Farbenpracht und den langen Federn ist er ein Hingucker.
Während unserem Aufenthalt in der Stadt «Tuxtla» fand die «Feria de Chiapas» statt: Die Messe für Landwirtschaft mit Chilbi, Ausstellungen über Polizei und Militär und verschiedenen Live-Konzerten. Die Übergänge waren fliessend: Durch die Kuhrassen-Ausstellung gelangte man zum Konzertbereich, der Militärpanzer war neben der Achterbahn platziert. Am ersten Abend erkundigten wir das weitläufige Gelände und schlugen uns den Bauch mit feinen Fleischspiessen voll. Die Polizei und das Militär stellten ihre brandneuen Fahrzeuge aus, welche von den Zuschauern auch innen besichtigt werden durften. Der Militäroffizier «Mendez» erklärte uns im Detail die verschiedenen Funktionsweisen des Panzerfahrzeuges und Dani durfte sogar die Sirenen heulen lassen. Er nutzte die Gelegenheit sein gutes Englisch zu praktizieren, fragte uns über Europa aus und erzählte aus seinem Arbeitsalltag. Am zweiten Abend spielte die ehemalige Girl Band «Pandora y Flans» und diese zog unzählige Besucher an. Mexikanische Konzertbesucher sitzen lieber im Stadion und stehen nicht wie wir vor der Bühne. Dafür wird im Sitzen mitgesungen und gefiebert. Wenn die Ohrwürmer gespielt werden, dann geht die Post ab.
Das Wetter war uns momentan nicht so gut gesinnt, lange und ausgiebige Regenschauer und kalte Nächte begleiteten uns in «San Cristobal de las Casas» und in «Tziscao», neben dem Nationalpark «Lagunas de Montebello». Diese Berglandschaft liegt auf über 1’500müM. und umfasst über 50 Seen in unterschiedlichen Färbungen.
Die nicht viel befahrene Strasse 307 entlang der guatemaltekischen Grenze ist in einem schlechten Zustand: Unendlich viele Schlaglöcher und Bodenschwellen vor, in und nach jedem Dorf. Dies verlangsamte das Vorwärtskommen erheblich, dafür konnten wir die Fahrt durch den Dschungel vorbei an riesigen uralten Ceiba-Bäume umso mehr geniessen.
Der Abstecher in die «Montes Azules» Biosphäre war ein Sechser im Lotto. Das Reservat gilt als eines der Gebiete mit der grössten Artenvielfalt Mexicos. Darin leben mehr als 2’800 Pflanzen- und Tierarten, davon 233 exotische auf einer Fläche von 0.2% des nationalen Territoriums. Durch den Schutz in den 1970er Jahren konnte sich das Gebiet zu einer unberührten Wildnis zurückbilden, der Zugang ist sehr limitiert und dank der Abgelegenheit nicht gross touristisch.
Das Aushängeschild der Biosphäre sind die roten Scharlach-Aras, hier Guacamaya genannt. Etwa 350 Tiere leben in der Region und ihr Bestand ist stark vom Aussterben bedroht. Das Dorf «Reforma Agraria Gucamayas” liegt am Ufer des «Rio Lacandon» und dieser führte wegen den anhaltenden Regenfällen Hochwasser. Kaum hatten wir Condorito neben Bäumen und Palmen (nie darunter wegen herabfallenden Kokosnüssen) abgestellt, schwangen sich die ersten Klammeraffen an uns vorbei.
Wir buchten für den nächsten Tag eine Bootstour und machten uns am Flussufer auf die Suche nach Tieren und Pflanzen. Dort entdeckten wir einen Leguan dank seiner Krallengeräusche am Baumstamm, kleine Frösche und exotische Blumen. Die Brüllaffen am anderen Flussufer bescherten uns ein Schrei-Konzert wie aus einer Monsterwelt. Sie haben die lauteste Stimme der ganzen Tierwelt.
Nur die unendlich vielen Moskitos und Stechmücken hielten uns trotz Kleidung und Spray davon ab, stundenlang auf Pirsch zu sein. Am nächsten Morgen ging es früh los, noch war der Fluss und der Urwald in Nebel gehüllt. Luis unser Guide entpuppte sich als Vogelspezialist und durch seine langjährige Erfahrung entdeckte er die Tiere lange vor uns. Die Tour war ein absolutes Highlight wie auch am nächsten Tag eine Wanderung durch den Urwald. Die Bilder sprechen für diese einmalige Erlebnisse und haben sich für immer eingeprägt. Hinweis zu den Fotos: Die Reihenfolge entspricht den Tiersichtungen.
Zum Abschluss besuchte uns eine Vierergruppe Guacamayas, die reifen Früchte auf dem Baum neben Condorito lockten sie an.
Die Ruinen von Yaxchilan sind nur mit dem Boot zu erreichen. Auch hier waren wir wieder frühmorgens unterwegs, die einzigen Besucher in der historischen Maya-Stadt. Das Spezielle an dieser Anlage sind die Skulpturen und Stelen, welche auch im anthropologischen Museum in Mexico-Stadt ausgestellt sind. Das erste Mal konnten wir in eine Tempelanlage hinein: Das «Labyrinth» besteht aus oberirdischen und zwei unterirdischen Stockwerken. Diese Gänge und quadratischen Räume mit Kraggewölben werden heute von Fledermäusen, Riesenspinnen und -Schaben bevölkert. Die drei Ebenen sind durch Innentreppen miteinander verbunden, und es gibt eine Reihe von Nischen mit Altären und Sackgassen, die wirklich den Eindruck eines Labyrinths vermitteln. Stelen säumen die steile Treppe zum grossen Tempel, dieser ist aufwändig durch die Bauweise mit Nischen und Steinreliefs verziert.
Die Reise durch Chiapas haben wir sehr geschätzt, auch dadurch, dass die Region glücklicherweise weit weg von jedem (Massen)-Tourismus ist.












































































































Fredi Spillmann
Liebe Claudia und Dani. Wie immer wunderschöne Fotos und interessante Reiseberichte. Ich wünsche euch eine frohe, besinnliche Weihnachtszeit und ein gesundes ,glückliches neues Jahr. Lg Fredi Madagascar
Sposato Maria-Cristina
hallo ihr liäbe
WoW, was für iidrücklichi fotene… mir hännd vor allem d’insekte gfalle und au psunders flädermüüs und dä kroki mit em blaustich.
wünsche oii schöni feschttäg
liäbi grüess, mc
Jürgen Kössler
Wow, wieder beeindruckende Aufnahmen von Tier- und Pflanzenwelt. Immer wieder bewundernswert eure Reiselust und eure Erlebnisse.
Kevin
Hello you two!
What a great set of stories and pictures. Merry Christmas from a relatively warm Canada (2 degrees Celsius above freezing) and no snow on the ground, so no shoveling needed. It’s been a few weeks since I left Mexico and I’m ready for some more flying already 🙂
All the best and I’ll keep following you now that I have your website!
Cheers,
Kevin
Regina und Toni
Liebe Claudia und Dani
Eindrücklich – lehrreich – wunderschön. Freue mich immer wieder auf Eure Reisdokus. Ganz herzlichen Dank und weiterhin viel Spass auf eurer Reise.
liebe Grüsse Regina und Toni
Ursula Simoni
Dear Claudia a and Dani,
Wishing you a marvelous holiday season. It was so good to see your wonderful pictures and all the exciting places you’ve been to since you’ve left here. As I told your mom in the email I sent her wishing her a wonderful Christmas that your travels remind me of Star Trek’s opening narration; to boldly go where no one has gone before.
Stay warm and dry and have a blessed New Year.
Love,
Ursula and family
Alfredo Studer
Vielen Dank für den wie immer sensationellen Bericht mit Fotos und Videos.
Ich wünsche euch frohe Festtage, einen guten Rutsch und ein fantastisches neues Jahr mit vielen tollen Erlebnissen und guter Gesundheit.
Liebe Grüsse aus der Schweiz, Alfredo und Familie
Manuel Rickenbach
Liebe Claudia, lieber Dani
Was für fantastische Bilder und Eindrücke. Man kann unseren Planeten, die Flora und Fauna immer wieder nur bestaunen. Eine sagenhafte Schöpfung. Weiterhin gute Reise.
Liebi Grüess,
Manu
Ilya
Beautiful pictures and excellent stories as always!
Thank you very much for sharing your adventures with us!
Wolfgang Last
Liebe Claudia, lieber Dani
herzliche Grüße aus dem kalten und verschneiten Oststeinbek bei Hamburg.
Endlich habe ich mir einfach mal wieder Zeit genommen und genüsslich diesen wundervollen Reisebericht mit den tollen Fotos
gelesen und bestaunt und war in Gedanken bei euch.
Es wird wirklich Zeit, dass ich unser Wohnmobil wieder fahrtüchtig mache und wir uns auch mal wieder auf Reisen begeben können. Eure Berichte beflügeln mich dazu. Habt weiterhin eine gute Zeit dort drüben und bleibt gesund.
Bis zu einem nächsten Wiedersehen seid herzlich gegrüßt und umarmt von
Regine und Wolfi