Northwest Territories – Nach Tuk und zurück

eingetragen in: Kanada 2022/2023 0

Bei der Reiseplanung hatten wir lange überlegt, ob wir den «Dempster Highway» bis zum arktischen Meer fahren sollen oder nicht. Die abwechslungsreiche Landschaft, die tierischen Begegnungen, die Mitternachtssonne in Tuktoyaktuk am Ende des Highways und die etlichen Begegnungen mit anderen Reisenden machte die Fahrt zum Highlight.

Aber bevor wir Richtung Norden gestartet sind, machten wir noch eine Zwangspause. Claudia riss sich das Aussenband am Knöchel bei einer Bachdurchquerung und wir quartierten uns nach dem Spitalbesuch die ersten Tage in einem Hotel in «Dawson City» ein. Als sie sich an die amerikanischen Krücken gewöhnt und wieder einigermassen mobil war, fuhren wir los. Die nächste Aufregung folgte bereits am zweiten Abend auf dem «Dempster Highway». Ein Blick aus dem Fenster und oh Schreck: Ein Grizzly trottete dicht an unserem Camper vorbei. Dank Dachluke konnten wir ihn sicher beobachten, hupten aber auch mit unserem Schiffshorn, um ihn zu vertreiben und die anderen Camper zu warnen. Das wars, dachten wir, bis er nach einer Runde wieder da war und auch der Camping-Nachbar seine Autohupe ertönen liess. Der Bär liess sich auch davon nicht beeindrucken und spazierte gemütlich durch den Campingplatz weiter. Kurzerhand stellte Dani Condorito direkt neben den anderen Camper, damit wir nachts beieinander waren, falls der Störenfried wieder zurückkommen sollte.

Auf der Fahrt zum nördlichsten Punkt unserer Reise mussten wir wegen heftigen Regenfällen im Norden noch etwas «Trödeln» und warten, dass das Hochwasser am «Peel River» wieder zurück geht und uns die Fähre sicher über den reissenden Fluss brachte. Dafür hatten wir Zeit, mit anderen Reisenden ausgiebig zu Schwatzen. Auf dem «Dempster Highway» gibt es eine ungeschriebene Regel: Halte an und nimm dir Zeit, um interessante Menschen und ihre Geschichten kennen zu lernen. Das taten wir ausgiebig!

Die Landschaft änderte sich von Hochtälern, enge Schluchten über Sümpfe zu Tundra und schlussendlich gelangten wir entlang der teilweise noch zugefrorenen Fjorde direkt ans Meer. Nach fünf Tagen kamen wir in «Tuktoyaktuk» an und übernachteten 10m vor Ende der Strasse. Dank dem guten Wetter konnten wir auch nachts noch draussen sitzen und die Sonne geniessen. Einen Sonnenaufgang oder Untergang gibt es in diesen nördlichen Breitengraden während einigen Wochen nicht mehr.

Auf dem Rückweg buchten wir in «Inuvik» einen regulären Flug mit der lokalen Airline nach «Aklavik»: 20min Hinflug, einen kurzen Aufenthalt und wieder zurück. Die kleine Turboprop-Maschine war bis auf den letzten der zwölf Sitzplätze ausgebucht und wir die einzigen Touristen, welche den Flug über das Mackenzie-Delta nur zum Genuss machten. Das kleine Dorf «Aklavik» ist nur im Winter per Fahrzeug auf der Ice Road erreichbar, im Sommer müssen die Bewohner mit dem Flugzeug «pendeln». Dank einer gewaltigen Gewitterwolke hatten wir auch hier wieder ein bisschen Nervenkitzel, das kleine Propellerflugzeug wurde ziemlich durchgeschüttelt und einige der Passagiere stiegen bei strömenden Regen kreidebleich aus. Anstatt einem kurzen Aufenthalt machte der Pilot über eine Stunde Pause, bis sich das Gewitter endlich verzogen hatte. Beim Rückflug schien sogar wieder die Sonne und liess die unzähligen Wasserläufe und Teiche im goldenen Licht schimmern. Reisen und campen auf einem Bein mit Krücken kann eine Herausforderung sein, welche wir aber gemeinsam tipptopp meisterten. Die Tagesetappen waren um einiges kürzer als sonst, da Dani die ganze Strecke selbst fahren musste und wir kamen nach 8 Tagen wieder mit vielen Eindrücken und Erlebnissen zurück nach «Dawson City». Danke Adrian Lutz, dass du uns davon überzeugt hast den Abstecher von 1’800km zu machen, dieser hat sich absolut gelohnt!

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