USA Southern Desert – Zur mexikanischen Grenze

eingetragen in: USA 2023/2024 3

In den südwestlichen Staaten Utah, Colorado, New Mexico, Arizona und im Süden von California waren wir endlich in der Wüste unterwegs. Diese bot uns ein grosses Spektrum an Tieren und verschiedenen Sukkulenten in endlosen Ebenen, bescherte aber auch etwas Nervenkitzel. Wiederum bewegten wir uns in Schluchten, Höhlen und alten Minen, aber auch in historischen Stätten und auf einem Campingplatz der 50er Jahre. Zum Abschluss unserer 9-monatigen Reise besuchte uns ein Rotluchs hautnah.

Kurz nach «Escalante», Utah gibt es eine Reihe von Slot Canyons. Die enge Felsenschlucht mit den klingenden Namen wie «Peak-a-Boo», «Spooky», «Zebra» und «Tunnel Canyon» kann man nur zu Fuss erkunden und es braucht etwas Kletterkünste. Kaminklettern ist hier angesagt und wenn man die Technik begriffen hat, kann man zu enge Passagen im etwas weiteren oberen Bereich der Schlucht überwinden. Faszinierend waren die «Moqui-Marble» Kugeln, kreisrunde Sandsteine mit oxidischen Eisenverbindungen umschlossen. Diese «kleben» an den Wänden der Schlucht und werden durch Erosion des Sandsteins freigesetzt.

Die beiden «Scenic Byways 12 und 24» brachten uns weiter nach Osten durch den «Capitol Reef National Park». Hier führt eine unbefestigte Strasse durch die «Capitol Gorge», ein beeindruckendes Erlebnis mit Condorito mitten in der gewaltigen Schlucht zu stehen. Der Park ist berühmt für seine markanten geologische Formation: Eine riesige Verwerfung verschiedener Gesteinsschichten die tief in die Entstehung des Colorado-Plateau blicken lässt. Bei «Hanksville» bogen wir Richtung Süden auf den «Highway 95» ab, wiederum eine sehr abwechslungsreiche Fahrt durch eine einzigartige Landschaft und entlang des Colorado Rivers. Die drei Felsbrücken liegen im «Natural Bridges National Monument» nahe beieinander. Leider war der Abstieg zum Wanderweg dem Fluss entlang zu fest vereist, gerne hätten wir die steinigen Koloss-Brücken aus nächster Nähe bestaunt. «Muley Point» wurde öfters während Begegnungen mit anderen Reisenden erwähnt. Die Aussicht auf das «Monument Valley» in Arizona und der Blick in die tiefergelegenen Ebenen etwas ganz Besonderes. Unser Fazit: Die Reisenden haben untertrieben. Der Stellplatz direkt an der Felskante, ein Nachmittag lesend in der warmen Wintersonne, ein Feuerspektakel während des Sonnenuntergangs und am nächsten Tag die steile Abfahrt ins «Valley of the Gods» wird uns immer in Erinnerung bleiben. Das «Tal der Götter» mit seinen Felsnadeln und Sandsteintürmen hinkt keineswegs dem «Monument Valley» hinterher. Im Gegenteil: Die Landschaft wirkt ohne touristische Infrastruktur viel authentischer und das Naturnahe sprach uns hier viel mehr an.

«Mesa Verde National Park» in Colorado war unser nächstes Ziel. Wir vergassen immer wieder, dass wir teilweise auf über 2’000müM. im Dezember unterwegs waren, bis uns ein kurzer Schneesturm einholte. Doch genau deswegen könnten wir die Felsbehausungen der «Anasazi-Stämme» fast allein geniessen und die Sonnenstrahlen zwischen den Schneewolken gaben den archäologischen Stätten eine mystische Stimmung. Leider waren die Ranger-Touren während der Wintermonate nicht verfügbar, aber auch aus der Ferne tauchten wir in die vorkolumbische Welt ein.

Selten fahren wir an einem Tag über 500km, doch die eher eintönige Landschaft in der Mitte des Staates «New Mexico» und der Drang in den Süden an die Wärme bewegten uns dazu. Vom «Carlsbad Cavern National Park» an der texanischen Grenze träumten wir schon lange. Von unserer ersten USA-Reise blieb uns dieser Ort in spezieller Erinnerung. Dieses Mal nahmen wir nicht den Lift, welcher die Touristen in wenigen Sekunden 230m unter die Erde bringen. Wir stiegen langsam über unzählige Treppenstufen in die Kalksteinhöhle ab und staunten auch im Zugangstunnel über die Tropfstein-Formationen. Das UNESCO-Weltnaturerbe bietet eine riesige unterirdische Welt und wir verbrachten einen halben Tag tief unter der Erdoberfläche.

In Alamogordo machten wir eine Pause, mieteten ein Airbnb und genossen die Vorzüge des Backofens mit Bauernbrot, Käsewähe und Weihnachtsguetsli backen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie alltägliche Dinge einen hohen Stellenwert erhalten, wenn sie nicht dauernd zur Verfügung stehen. Ein Ausflug in den «White Sands National Park» am nördlichen Ende der Chihuahua-Wüste mit runden Plastikschlitten war Spass pur. In einem eng begrenzten Gebiet erheben sich Gips-Dünen. Dies sind Überreste eines längst ausgetrockneten Sees, in welchem die Gips-Sedimente aus den umliegenden Bergen gesammelt und mit dem Wind zu grossen Haufen zusammengetragen wurden. Auf diesem Gips kann man an der Nordseite der Dünen schlitteln, wo das Gefälle entsprechend hoch ist. Mit einer bisschen Übung und Schwung gelangen kurze Abfahrten; wir fühlten uns in die Jugend zurückversetzt.

Auf dem Rückweg ins Airbnb sahen wir wild lebende afrikanische Springböcke ausserhalb des Parks. Wir trauten unseren Augen nicht und fragten Google um Rat. Zwischen 1969 und 1977 wurden 95 Oryx Antilopen aus der Kalahari-Wüste in Afrika hier freigelassen für die Jagd. Heute ist der Nationalpark mit 108km Zaun geschützt, damit die Tiere die einheimischen Pflanzen nicht kahlfressen. Die Herde ist auf mehrere 1’000 Tiere angewachsen, die natürlichen Feinde fehlen.

An der Grenze zu Mexiko hängen immer wieder «Blimps» in der Luft. Diese Prallluftschiffe dienen der Grenzüberwachung und sind mit allerlei Radar-Technologie dafür optimal ausgerüstet. Sie schweben unbemannt auf etwa 3’000müM und sind mit einem Nylonfaserkabel mit dem Boden verbunden. Im «Rockhound State Park» bekamen wir davon aber nicht viel mit, wir waren auf der Suche nach Geoden und verschiedenen Mineralien. Es war nicht ganz einfach zwischen den unzähligen Kakteen im steilen Gelände sich fortzubewegen. Wir fanden nicht nur ein paar schöne Steine, sondern nahmen auch unfreiwillig ein paar Kaktusdornen mit. Eine ungemeine Anziehungskraft haben die stachligen Dinger bei Claudia, sie ziehen sie magisch an und bohren sich vorzugsweise in ihre Fingerkuppen, Arme und Oberschenkel. «City of Rocks State Park» mit seinen Granit-Felsbrocken in sehr speziellen und eigenwilligen Formen war unsere nächste Station. Auf unserem Platz zum Campen fühlten wir uns direkt in «Stonehenge», auf drei Seiten waren wir von den Hinkelsteinen umrahmt. Bei Sonnenuntergang suchten wir uns ein Plätzchen auf dem höchsten Punkt im Park und genossen das Feuerspektakel am Himmel. Seit langem hatten wir wieder einmal einen ausgiebigen Regentag und die Luftfeuchtigkeit stieg auf ungewohnte 70%. Am nächsten Morgen nach einer kalten Nacht war Condorito mit einer dünnen Eisschicht überdeckt, zum guten Glück schien die Sonne wieder und liess den «Eispanzer» schnell schmelzen.

Auf der Fahrt ins «Chiricahua National Monument» in Arizona hatten wir wieder zwei Tierbegegnungen der anderen Art: Claudia sichtete «Wildschweine» entlang der Strasse. Richtige Wildschweine gibt es nicht in den USA, verwilderte Hausschweine aber zuhauf. Auch wieder dank Google lernten wir, dass es sich im eine eigene Tierfamilie handelt: Pekaris (Nabelschweine). Diese kommen von Südamerika bis in den Südwesten der USA vor. Kurz später im Park selbst standen Nasenbären mitten auf der Strasse, jetzt fühlten wir uns endgültig wie im Zoo. Auch diese Tiere sind von Argentinien bis nach Arizona heimisch, leben in grossen Familienverbänden und sind Allesfresser. Etwa 50 Tiere streiften beim Eindunkeln entlang der Strasse, gaben schmatzende Geräusche von sich und stoben auf die Bäume, als für sie eine für uns nicht sichtbare Gefahr bestand. Östlich des National Monument befindet sich die «Whitewater Draw Wildlife Area», ein Vogelparadies in einem begrenzten Sumpfgebiet. Abertausende Kanada Kraniche überwintern hier, aber auch Gänse, Enten und kleinere Vögel finden während den kalten Monaten hier Futter.

Weiter Richtung Westen machten wir noch zwei Abstecher unter die Erde. Zuerst in eine alte Mine in «Bisbee», wo reiche Kupfer-, Gold- und Silbervorkommen von 1900 bis 1975 abgebaut wurden. Zwei ehemalige Minenarbeiter führten uns mit der alten Lore durch die Minengänge der «Copper Queen Mine» und erzählten von den Gegebenheiten und Erlebnissen untertags. Nach dem Mineralienboom entdeckten Hippies diese Region und verliehen dem Ort «Bisbee» einen speziellen Charm. Ein paar Tage später nach Weihnachten stiegen wir auf schmalen Leitern im «Colossal Cave Mountain Park» durch ein «trockenes» Höhlensystem. Die Wasserzufuhr versiegte vor langer Zeit und die Stalagmiten und Stalaktiten wachsen nicht mehr weiter. Leider wurde nach der Entdeckung des Höhlensystems vor 150 Jahren nicht nur die Artefakte der Ureinwohner (welche die Höhlen zum Schutz genutzt hatten), sondern auch die Kalkstein-Formationen abgebrochen und mitgenommen.

Den Jahreswechsel verbrachten wir in «Tucson» auf einem Vintage-Campingplatz. Die Besitzerin hat bis ins letzte Detail alles so eingerichtet wie um 1950. Am alten Pac-Man Arkade-Spielkasten schafften wir es nie über den Level 3 hinaus, die Steuerung funktionierte nicht mehr einwandfrei und die Geister frassen uns im Labyrinth. Wir nutzten die Annehmlichkeiten der Grossstadt und erkundeten mit Uber verschiedene Streetfood-Trucks und Restaurants. Vor allem die mexikanische Küche hat hier einen grossen Einfluss und wird nicht nur in der Tex-Mex Variante gelebt. Nicht nur in der Küche, sondern auch in der Architektur hat Mexico einen grossen Einfluss. Vor 1848 gehörten weite Teile von Arizonas noch zum mexikanischen Staat «Vieja California», bis die USA nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg das Gebiet in ihren Besitz nahm. Viele spanische Namen von Strassen, Ortschaften und Städten blieben, die englische Aussprache ist etwas gewöhnungsbedürftig für uns. Auch die katholische Missionskirche «San Xavier del Bac», südlich von «Tucson», zeugt aus dieser voramerikanischen Zeit und gibt einen einmaligen Kontrast inmitten der Wüste. Das «Organ Pipe Cactus National Monument» liegt am nördlichen Ende der mexikanischen «Sonora Wüste». Die einzige Region, an welchem Orgelpfeifen-Kakteen in den USA wachsen. Eine bemerkenswerte Wüstenlandschaft direkt an der mexikanischen Grenze, die beiden Länder trennt ein hoher Gitterzaun. Auch hier versuchen Migranten aus Süd- und Zentralamerika in die USA zu gelangen, aber auch Schmuggler bringen illegale Waren unbemerkt über die Grenze. Wir erkundigten uns beim Park Ranger über die Machbarkeit den «Camino del Diabolo» zu befahren, einer 150km langen Offroad-Strecke entlang der Grenze nach Westen. Wegen Regenfällen in den letzten Wochen sei ein Bereich nicht passierbar, Überreste eines vertrockneten Sees haben sich in ein Schlammloch verwandelt. Doch der Track bis dorthin sei gut befahrbar und die Landschaft sehenswert. Am Schlammloch angekommen hatte die Sonne der letzten Tage mehr bewirkt als angenommen. Etliche mehrheitlich bereits trockene Umfahrung-Tracks wichen der Schlammpassage aus und nach einer ausgiebigen Erkundung zu Fuss entschlossen wir uns weiterzufahren. Wir hatten schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl, nicht nur wegen der Ungewissheit ob wir wirklich durchkommen, sondern auch wegen der Grenznähe. Der grösste Teil der Strecke führte durch sandige Bachbette und über Lavagestein, die Chance im Schlamm stecken zu bleiben war klein.

Während der Nacht schliefen wir nicht so tief wie sonst, auch weil der Wind ziemlich stark bliess und es am Morgen leicht zu nieseln anfing. Doch alle Sorgen waren umsonst, während 24h hatten wir keine Menschenseele gesehen, die Sonne schien am späteren Morgen und der Sand war wegen der höheren Feuchtigkeit schön kompakt zu befahren. Erst fast am Ende der Strecke trafen wir auf eine mobile Grenzkontrolle, wir sind uns sicher sie haben uns schon eine Weile beobachtet, aber aufgehalten oder kontrolliert wurden wir nicht.

Weiter nördlich im «Yucca Valley» hatten wir für zwei Wochen ein Airbnb reserviert, dort wo sich Kojote und Luchs im wahrsten Sinne des Wortes gute Nacht sagen. Die Präriewölfe heulten bei Vollmond und der «Bobcat» spazierte gemütlich am Haus vorbei. Dani hat geistesgegenwärtig zur Handykamera gegriffen und den unglaublichen Moment mit Bild und Video festgehalten.

Aber auch der Wegekuckkuck (Roadrunner) und das kalifornische Ziesel statteten uns einen Besuch ab. Alle für uns wichtigen Tierbeobachtungen auf dem nordamerikanischen Kontinent haben wir in Nordamerika – Spezielle Tiersichtungen festgehalten. Nach dem Eindunkeln genossen wir im Whirlpool jeweils den Nachthimmel und die umliegenden Joshua Trees, welche lange Schatten warfen im Mondlicht.

Auf der Fahrt nach Norden kreuzten wir die historische „Route 66“ und die „Movaje Desert“. Wir liessen es uns nicht entgehen, zum Abschied quer durch den „Las Vegas Strip“ zu fahren, bevor wir Condorito für die nächsten Monate einstellten.

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3 Responses

  1. Manuel Rickenbach
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    Wow, schon unglaublich vielfältig wunderschön unser Heimatplanet Erde.
    Was nicht alle sehen können, seht ihr. Danke für die tollen Fotos.
    Herzlichi Grüess und bis bald emal wieder.

  2. Brigitta
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    Ihr Lieben
    Ihr habt uns auch diesmal wieder mit fantastischen Bildern mitreisen lassen
    Weiterhin nur das Beste und auf ein gemütliches Wiedersehen
    Liebe Grüsse… Brigitta & Paul

  3. Jürgen Kössler
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    Hallo Ihr beiden. Sehr beeindruckend die Landschafts- und Tieraufnahmen. Man bekommt selbst aus der Ferne einen Eindruck wie groß das Land ist. Aber ich denke, man muss das selber erlebt haben. Euch weiterhin viel Spaß und alles Gute auf der Reise!

    LG Jürgen und Petra

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