Mexico – Hochland

eingetragen in: Mexico 2024/2025 4

Tiefe Schluchten und hohe Bergplateaus durchziehen Nord- und Zentralmexico. Moderne und historische Städte wie auch Ruinen aus vergangenen Zeiten liegen eingebettet zwischen fruchtbaren Gebieten. Von einfachen Hütten zu Hochhäusern sind die Unterschiede extrem. Und wir werden überall mit offene Armen begrüsst, sei es von Indigenen aber auch von ausgewanderten Europäern.

Sinaloa & Sonora

Unser erstes grosses Ziel war die «Barranca del Cobre», die Kupferschlucht im Norden auf dem mexikanischen Festland. Zuerst aber fuhren wir von «Mazatlan» aus 500km durch den Bundesstaat «Sinaloa» und dann «Sonora» nordwärts der Küste entlang nach «Las Glorias». Wir waren wieder mit Margrit und Georg unterwegs und feierten auf dem Campingplatz am Meer gemeinsam die Wintersonnenwende am 22. Dezember. Horacio leitete mit verschiedenen indigenen Ritualen die Zeremonie. Neben uns war ein Paar aus den USA dabei und 10 Frauen aus dem Dorf. Zuerst «reinigte» er uns mit Rauch von verschiedenen Kräutern, bevor wir in die Schwitzhütte krochen. Steine wurden draussen über dem Feuer erhitzt, glühend in die Hütte gereicht und Horacio stapelte sie in der Mitte in einer Vertiefung im Sand. Dann wurden verschiedene Kräutersude darüber gegossen, daraus entwickelte sich viel Dampf und Wärme.  Begleitend sprach er verschiedene «Gebete» für die «Pacha Mama», die Mutter Erde und andere Naturgötter aus, aber auch kirchliche Fürbitten wurden eingeschlossen. Es war für uns nicht immer einfach alles auf Spanisch zu verstehen, zum guten Glück erklärte er teilweise auch auf Englisch die Bedeutung der Rituale. Insgesamt machten wir fünf Schwitz-Durchgänge mit, ein unvergessliches Erlebnis am kürzesten Tag des Jahres.

Es war nicht einfach, Informationen über die Route und den Zustand der Strasse und die Sicherheit unterwegs zur «Barranca del Cobre» zu erhalten. 99.9% der Touristen nehmen den «Chepe», den Zug welcher sogar Motorhomes hoch in die Schlucht bringt. Durch einen lokalen Kontakt via Horacio und die örtliche Polizei in «Alamos» erfuhren wir, dass die Strasse mit genügend Bodenfreiheit passierbar sei, aber durch das Gebiet der «Narcos» führt. Als Touristen müssen wir nichts befürchten, die Drogenkartelle würden viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wenn wir die Regel «Nur tagsüber unterwegs sein» einhalten, wir sicher durchkommen. Sie hatten Recht! Unsere deutschen Reisegefährten entschieden sich für den Umweg über die Teerstrasse, vor allem wegen ihren anhaltenden Problemen mit ihrem Fahrzeug und so fuhren wir allein los. Von Meereshöhe aus schlängelte sich die Schotterpiste über die Bergketten und wieder hinunter zu abgelegenen Dörfern an Flussufern. Unterwegs begegneten uns einige klapprige Fahrzeuge, mit welchen die Bewohner der Gegend für Weihnachtsbesuche unterwegs waren. Zwei Mal sahen wir einen nagelneuen Hummer Geländewagen mit komplett getönten Scheiben des Drogenkartells. So suchten wir uns sichere Übernachtungsplätze: Heiligabend verbrachten wir auf der Strasse vor einer Polizeistation, den 25. Dezember im Innenhof eines Hotels. Nach drei Tagen kamen wir am Rand der Kupferschlucht in «Divisadero» im Bundesstaat «Chihuahua» an und trafen auch Margrit und Georg wieder.

Chihuahua

Das Schluchtensystem ist vier Mal grösser als der «Grand Canyon» und erstreckt sich in sechs verschiedenen Canyons auf über 50km. Wir campierten im «Copper Canyon Adventure Park» auf über 2’200müM. und hatten eine gewaltige Aussicht. Spass und Adrenalin gab es mit dem Flying Fox: In 7 Etappen überquerten wir kleine Schluchten und balancierten zwischendurch auf wackligen Hängebrücken von einem Punkt zum anderen, bis uns die Seilbahn wieder zum Ausgangspunkt zurückbrachte. Auch das Abseilen und hochklettern auf der Via Ferrata bereitete Nervelkitzel, aber auch einen anderen Ausblick in die Landschaft. Neben den mexikanischen Ausflüglern waren wir fast die einzigen Touristen. Die Amerikaner und auch Kanadier fehlen dieses Jahr in Mexico, sie scheinen verunsichert wegen den Wahlen in den USA und möglichen Problemen bei Grenzübertritten.

Vom Höhenplateau ging es wieder ohne Reisegefährten hinunter in die Schlucht nach «Urique», 1’700 Höhenmeter Schotterpiste steil und kurvenreich hinunter zum Fluss «Rio Urique» in eine andere Klimazone. Auf dem Campingplatz gedeiht ein üppiger Gemüsegarten und Obstbäume spenden Schatten. Wir blieben ein paar Tage bei Maruca und Tomás und verbrachten Silvester und Neujahr im Früchte- und Gemüseparadies. Vor allem Maruca, welche indigene Wurzeln hat, erzählte uns viel über die Bräuche und Gegebenheiten des Tarahumara-Volkes. Die Erschliessung des Dorfes mit einer Strasse vor ca. 50 Jahren brachte einen grossen Fortschritt ins Tal, bis dahin erreichten die Bewohner nur zu Fuss oder mit Maultieren den Rand der Schlucht. Auch heute findet noch jährlich verschiedene Marathons im Flussgebiet statt, die Rarámuri (diejenigen, die gut gehen) sind in den vordersten Rängen dabei, vor allem beim Ultramarathon.

Der Track von „Urique“ nach „Batopilas“ war sehr wenig befahren, sehr steil über eine Bergkette und entsprechend in einem schlechten Zustand durch vergangene Regenfälle. Nur gerade drei Motorräder und einige Fussgänger kamen uns während der zweitägigen Fahrt entgegen, wer hier oben in dieser abgelegenen Gegend lebt, ist selten mit dem Auto unterwegs. Ab «Batopilas» brachte uns eine Teerstrasse wieder schneller vorwärts Richtung Süden und zurück aufs Hochplateau. Eine spannende Begegnung hatten wir in «Guachochi» mit Luis. Als ehemaliger Jetpilot hat er sich hier ein Café aufgebaut und röstet die Kaffeebohnen aus Costa Rica selbst. Wir sassen lange am wärmenden Holzofen und tauschten unsere Reiseerlebnisse aus. Sein junger Husky-Mischling genoss die Streicheleinheiten.

Durango

Die nächsten 1’000km südöstlich waren nicht so abwechslungsreich. Die Strassen durch die Region «Durango» waren teilweise in einem so schlechten Zustand, dass der Teer nur die Schlaglöcher zusammenhielt. Diese können von 1cm bis zu 50cm tief sein, wehe man übersieht ein solches und räumt in den Kästchen und Schubladen des Campers alles wieder neu ein (obwohl alles gut gesichert ist). Die Landschaft war geprägt von endlosen Weiten, Hügelketten, Vulkankegel und teilweise grünen Tälern und dies auf über 2’000müM. Einen Zwischenhalt machten wir noch im «Parque national Sierra de Órganos», wo wir auch Margrit und Georg wieder trafen. Zu Fuss erkundeten wir Felsformationen welche Orgelpfeifen gleichen und kletterten durch eine kleinere Höhle auf die andere Seite der Felsformationen.

Zacatecas

«Zacatecas» im gleichnamigen Bundesstaat ist für ihren Silberreichtum und ihren historischen Kern auf fast 2’500müM. bekannt. In der ehemaligen Silbermine «El Eden» bestach vor allem die Mineraliensammlung aus aller Welt. Die mächtige Kathedrale im Zentrum wie auch die neu gebaute Kirche «Templo de Fatima» sind aus dem rosafarbenen Stein erschaffen und durch etliche Details aussen und innen einen Besuch wert. Am meisten imponiert hat uns aber die Architektur des alten Aquädukt und die ehemalige Stierkampfarena, welches heute in das Hotel Quinta Real integriert ist. Bei einem feinen Nachtessen verabschiedenden wir uns von unseren Reisegefährten, hoffentlich kreuzen sich unsere Wege bald wieder. Nach drei Tagen zog es uns weiter, die letzten Nächte mussten wir uns wegen eines Wintersturms hinter der Hotelmauer im Windschatten verstecken und die Dieselheizung hatte fast Dauerbetrieb.

Bevor wir in den Bundesstaat «Aguas Calientes» fuhren, besuchten wir die erste archäologische Stätte in Mexico «La Quemada». Da es anfangs leicht regnete, hatten wir das Museum und die Ruine für uns ganz allein. Die Steinsäulen und -Pyramiden wie auch die steilen Treppen zu weiteren Plattformen und Tempelanlagen waren eindrücklich. Für uns ist es immer noch ein grosses Rätsel, wie es die Leute um 400n.Chr. geschafft hatten, solche Strukturen zu bauen und die Unmengen von grossen Steine auf den steilen Hügel zu transportieren.

Aguas Calientes

Seit wir auf dem mexikanischen Festland unterwegs sind, gibt es wenige Campingplätze und Wildcampen ist kaum eine Option. Als gute Alternative bieten sich Hotels an, bei welchen wir die Toiletten und teilweise auch eine Dusche nutzen können. So auch in der Stadt «Aguas Calientes», sehr amerikanisch von der Infrastruktur und Bauweise.

Jalisco

Wir freuten uns seit langer Zeit auf das Restaurant Charly in «Santa Elena» im Staat «Jalisco». Die Bratwürste, Filet mit Rösti und das Bauernbrot von Charly sind unter Reisenden weit bekannt. Die Temperaturen hier waren wieder sommerlich, ausser in der Nacht wurde es immer noch kalt. Wir blieben eine Woche und verarbeiteten die ganzen Eindrücke aus den letzten Monaten. Zwischendurch hatten wir 1:1 Spanischunterricht bei Sara, einer Psychologiestudentin aus dem Dorf. Durch Fragen stellen zwang sie uns über Themen zu sprechen und Wörter zu benutzen, welche wir im Alltag nicht viel brauchten. Dadurch lernten wir auch viel über die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten von Mexico. Bei einem feinen Nachtessen lernten wir Rieke und Udo kennen. Die beiden Deutschen leben und arbeiten seit langer Zeit nördlich von Mexico City und besuchten Sandro, den Neffen von Charly, welchen sie vom Motorradfahren kennen. Bis spät in die Nacht unterhielten wir uns übers Reisen und verschiedene Abenteuer auf zwei und vier Rädern. Ganz spontan boten sie uns an, für unseren geplanten Städtetrip nach «Guadalajara» ihr Penthouse zu nutzen.

Dieses grosszügige Angebot konnten wir nicht ausschlagen und fuhren mit dem Bus via «Atotonilco» in die Metropole «Guadalajara», der zweitgrössten Stadt in Mexico. Eine Touristenbus-Rundfahrt durch die Altstadt gab uns einen guten Überblick über die Sehenswürdigkeiten. Hier haben uns besonders der Strassenmarkt «Libertad» im Zentrum wie auch der Kunsthandwerk-Markt von «Tonalá» etwas ausserhalb der Stadt am besten gefallen. Im Gewusel der Leute und Stände unterwegs zu sein, erinnerte uns an vergangene Reisen in Asien und Marokko. Die beiden Nächte im obersten Stock des Hochhauses haben wir sehr geschätzt, nochmals ganz herzlichen Dank an Rieke und Udo!

Michoacán

Vor der Region «Michoacán» hatten uns viele Mexikaner gewarnt, hier wüten Kriege zwischen den Drogenkartellen- Davon merkten wir kaum etwas, nur die Polizei und das Militär war an jeder Strassenkreuzung präsent. Einen Besuch im Städtchen «Paracho» liessen wir uns aber nicht nehmen und besuchten die Bauer von akustischen Saiteninstrumenten. Pro Gitarre braucht der Handwerker etwa einen Monat, drei kann er parallel bauen. Wir schauten den Künstlern über die Schulter und Dani spielte ein paar Töne auf einer Bassgitarre.

Der Vulkan «Paricutín» brach vor 80 Jahren aus und deckte das Dorf «San Juan Parangaricutiro» unter der Lava zu, nicht aber die Kirche. Ein Turm und der Altar wurden verschont und ragen als Zeitzeugen über dem Lavafeld.

Vor 28 Jahren waren wir bereits in der «Santuario Mariposa Monarca», einem der Überwinterungsplätze der Monarchfalter. Das Bild der sich biegenden Tannenäste übersäht mit den Schmetterlingen hat sich bis heute eingeprägt. Wir waren spät am Nachmittag angekommen und waren die letzten Besucher. Dadurch hatten wir einen Guide nur für uns, welcher uns den Lebenszyklus der Schmetterlinge und die Wanderrouten hoch bis nach Kanada erklärte. Wenn im März ein junger Monarchfalter losfliegt, kommt sein Nachkomme vier Generationen und zwei Jahre später wieder hier zurück. Durch Monokultur und Spritzmittel in der nordamerikanischen Landwirtschaft wie auch den Klimawandel sind die Bestände drastisch zurück gegangen. Auf wenigen Bäumen drängten sich die Schmetterlinge eng zusammen, um die kalten Nächte unbeschadet zu überstehen. Hier hingen die Äste schwer herunter, ein Wunder wenn man bedenkt, dass ein Falter nur gerade ein Gramm wiegt. Die Nacht verbrachten wir vor dem Parkeingang auf 3’300müM., bewacht von einem Hund, welcher es sich unter Condorito gemütlich gemacht hatte.

Estado de Mexico

“Valle de Bravo” liegt im Staat «Mexico» und ist der Gleitschirmflieger Hotspot im Land. Wir hatten Mühe einen Platz für Condorito zu finden, die angegebenen Übernachtungsplätze existierten nicht mehr oder die Infrastruktur fehlte. So fanden wir in einem kleinen Hotel etwas ausserhalb ein Plätzchen, was aber mit den Sammeltaxis gut zu erreichen war. «Valle» wird von den reichen Capitalinos (Hauptstädter aus Mexico City) an den Wochenenden überrennt und in den engen Strassen gibt es Verkehrschaos pur. Das war Dani egal, er erkundete die Gegend aus der Luft. Doch so einfach war die nicht, die Thermik und die Windsysteme funktionieren hier ganz anders. Für die Rückkehr ins Hotel brauchte es jeweils viel Geduld und eine Portion Glück, ein Sammeltaxi oder eine Fahrt per Autostopp zu erwischen. Am zweiten Flugtag trautet Dani seinen Augen nicht, die beiden Gleitschirmflieger Pavol und Armin kennt er aus der Schweiz. Sie waren auf einem sechswöchigen Fliegertrip durch Argentinien, Kolumbien und Mexico unterwegs. Die Freude über das Wiedersehen nach 10 Jahren (das letzte Mal am Startplatz in Fiesch) war gross und wir genossen es am Abend gemeinsam beim Essen. Nach einer Woche liessen wir Condorito beim Hotel stehen und fuhren mit dem Direktbus nach CDMX (Ciudad Mexico), so nennen die Mexikaner ihre Hauptstadt. Auch hier brachte eine Touristenbusfahrt durch die Stadt einen guten Überblick. Vom Hotel aus erkundeten wir zu Fuss, per Bus und Metro die Sehenswürdigkeiten. Das Highlight war das Anthropologische Museum, hier werden die Schätze aus den archäologischen Ausgrabungen ausgestellt, aber auch Modelle der Ruinen quer durch das Land gezeigt. Zwei Tage später fuhren wir mit dem Heissluftballon über die Ruinen von «Teotihuacán» bei Sonnenaufgang. Die Windrichtung und -Stärke stimmte, wir konnten die Sonnen- und Mond-Pyramide direkt von darüber bestaunen. Die Ballonkapitänin hatte auch die Landung perfekt im Griff und stellte den Korb sanft ab. Anschliessend erkundeten wir zu Fuss das weitläufige Gelände, noch fast ohne andere Touristen und Souvenirhändler. Wieder zurück in CDMX faulenzten wir den restlichen Tag und genossen am Abend ein feines Nachtessen. Die kulinarische Vielfalt in der Stadt ist gewaltig, von Libanesisch über Thai zu Italienisch, Argentinisch und Mexikanisch liessen wir uns verwöhnen. Nach einer Woche waren wir aber auch froh, wieder ins ländliche und ruhige «Valle de Bravo» zurückzukehren.

4 Responses

  1. hannelies
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    Hola amigos,
    Schöne föteli und interessanter Reisebericht.

    Immer wieder toll in Gedanken mitzuteilen, die Route zum Teil bekannt.
    Dieses Land ist so vielseitig und voller Kultur …..
    Genießt die Zeit.

    LG hannelies

  2. Maria-Cristina Sposato
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    hoi ihr liäbe
    was für iidrücklichi fötelis, vor allem diä gschichtsträchtige find ich faszinierend.
    danke und ich wünsche oii wiiterhii ä gueti zyt,
    mc

  3. brigitta
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    Ihr Lieben
    Herrlich Euren Reise-Erzählungen zu folgen und die Bilder anzuschauen – da kommen wieder soooooooooooo viele tolle Erinnerungen hoch 🙂 Geniesst es weiterhin und bleibt gesund.
    Freuen uns auf ein Wiedersehen.
    Liebs Grüessli… Brigitta und Paul

  4. Jürgen Kössler
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    Wieder ein beeindruckender Bericht. Respekt, wo ihr alles rumklettert. Da hab ich schon viel zu viel Höhenangst. Tolle Bilder und Eindrücke.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise und bleibt gesund.

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