Patagonien und Vulkane

eingetragen in: Südamerika 2017-2022 6

Nach den genialen Tierbeobachtungen um die Peninsula Valdez zog es uns südwärts zu den kalbenden Gletschern in Patagonien. Nicht nur die Gletscher sondern auch die harschen teils senkrechten Felsnadeln ziehen Touristen aus aller Welt an. In den abgelegenen Nationalparks findet man aber immer noch fast unberührte Natur und eine grosse Fauna. Der Grenzübertritt nach Chile brachte uns in eine komplett andere Landschaft: Saftige Wiesen und märchenhafte Regenwälder. Auf dem Weg nach Norden begleitete uns das Regenwetter und bescherte uns eine lange Überfahrt mit der Fähre entlang der Carretera Austral. Erst in Pucon packten wir das erste Mal die T-Shirts aus und genossen das frühlingshafte Wetter mit schönster Sicht auf den Vulkan Villarica.

 

Ruta 40 gesperrt

Um zur legendären Ruta 40 zu gelangen, bogen wir von der Teerstrasse ab und wählten einen Feldweg über 300km westwärts. Nach 100km über Stock und Stein auf einem nicht genutzten Track packten wir sogar die Schaufel aus, damit wir ein ausgewaschenes Bachbett durchqueren konnten. Unser Ziel war der Nationalpark „Bosques Petrificados de Jaramillo“, der versteinerte Wald. In der Kreidezeit bedeckte ein Vulkanausbruch den Araukarienwald mit Schutt und Asche und ein Teil der Bäume versteinerten über einen Jahrtausend andauernden Prozess. Durch die stetige Winderosion wurden die gigantischen Stämme wieder freigegeben. Auch bei unserem Besuch blies der Wind mit einer Stärke von 90km/h, welche uns fast vom Wanderweg blies.

 

Auf direktem Weg brachte uns die Ruta 40 zum Nationalpark „Los Glaciares“, wo der Perito Moreno Gletscher im Süden und die Fitzroy Gebirgskette im Norden das Touristenmagnet sind. Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter und verbrachten zwei unvergessliche Tage auf den Aussichtsplattformen bei strahlendem Sonnenschein, um die Gletscherabbrüche aus nächster Nähe zu sehen.

 

Das Fitzroy Gebirgsmassiv erkundeten wir zu Fuss und hatten auch wieder Glück, dass die tiefhängenden Wolken sich etwas verzogen und den Blick auf die zackig hohen Granitfelsen freigab. Am Abend und in der Nacht regnete es in Strömen, die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Wenigstens blies kein starker Wind, was in Patagonien sonst an der Tagesordnung ist.

 

Um in den „Perito Moreno“ Nationalpark zu gelangen, fuhren wir auf der Ruta 40 wieder zurück und blieben in „Tres Lagos“ stecken. Während zwei Tagen warteten wir in einem kleinen Dorf, bis die ungeteerte Strasse wieder passierbar wurde und wir über 80km auf der schlammigen Piste nach Norden rutschten. Im Gegensatz zu den Parks weiter südlich, wird der Perito Moreno Nationalpark von Touristen kaum besucht. Wir hatten den Campingplatz beim „Lago Burmeister“ für uns alleine, nur die Guanakos, Hasen, Flamingo, Kondore und ein Gürteltier kreuzten unseren Weg. Das schlechte Wetter verfolgte uns, die Schneefallgrenze fiel knapp über unseren Übernachtungsplatz. Wir wollten nicht mehr im Morast stecken bleiben und gegen Norden nach Chile.

 

Carretera Austral im Regen

Der Wechsel der Natur über die Anden war frappant. Wüstenähnliche Ebenen in Argentinien auf der Ruta 40, grasgrüne Täler in Chile. Die Grenzüberquerung über den „Paso Roballos“ brachte uns direkt in den Nationalpark „Patagonia“. Bereits in Argentinien hatten wir viele Guanakos gesehen, aber Herden von über 100 Tieren aus nächster Nähe waren für uns aussergewöhnlich.

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Auf der Carretera Austral, der einzigen Verbindungsstrasse vom Süden in Chile nach „Puerto Montt“ kamen wir schnell vorwärts, da ein grosser Teil der ehemaligen Abenteuerstrecke geteert ist. Der Drang war gross, bei regnerischem Wetter und den kalten Nächten schnell nach Norden in die Wärme zu kommen. Trotzdem liessen wir es uns nicht entgehen, ausgedehnte Wanderungen in den Nationalparks zu machen. Eine unserer schönsten Wanderungen machten wir im Nationalpark „Queulat“ auf dem „Sendero Bosque Encantado“. Der Wanderweg war gesperrt mit der Aufschrift „Betreten verboten“, was uns nicht hinderte doch loszulaufen. Bald war uns klar, warum der Weg gesperrt war. Im oberen Teil nahe dem Gletscher ging im Winter eine grosse Lawine nieder, verschüttete ein Teil des Wanderweges und änderte den Flusslauf. Aus diesem Grund waren die Holzbrücken teilweise weggeschwemmt oder überflutet. Auch dies hinderte uns nicht, über improvisierte Notbrücken zu steigen, um die kristallklaren Bäche zu überqueren. Die Stimmung im kalten Regenwald war mystisch, durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die tiefe Sonneneinstrahlung verwandelte er sich in einen Märchenwald. Ein mit Moos und Farnen bewachsener Weg führte steil hinauf. Dieser Teil war gut passierbar, aber ungeheuer glitschig. Sobald wir die Nähe des Gletschers kamen, waren wir mitten im Lawinenniedergang. Die Bäume lagen kreuz und quer auf dem Boden und ein Vorwärtskommen war nur durch Klettern über Stämme und Äste möglich. Da der Wanderweg komplett zerstört wurde, kletterten wir die letzten 100 Höhenmeter im Bachbett nach oben. Leider mussten wir 50m vor dem Gletschersee wieder umdrehen, da ein Weiterkommen unmöglich war.

 

Im „Pumalin Nationalpark“ war wieder der Regen unser ständiger Begleiter. Trotzdem war der Spaziergang zu den „Cascadas Escondidas“ eine willkommene Abwechslung, um die versteckten Wasserfälle im Urwald zu entdecken. Nicht die gesamte Carretera Austral ist befahrbar, einige Strecken können nur mit der Fähre überwunden werden. Wegen des schlechten Wetters und eines Sturms waren wir anstatt 5 mehr als 20 Stunden auf dem Schiff unterwegs. Glücklicherweise konnten wir im Condorito schlafen und hatten im Gegensatz zu den anderen Passagieren eine warme Nacht in unserem eigenen Bett. Kurz vor Puerto Montt verliessen wir die Carretera Austral und steuerten den Vulkan Osorno an.

 

Vulkan Villarica mit Sternenhimmel

Leider bescherte uns Petrus nur Regenwetter und so versteckte sich der Vulkan Osorno hinter den dichten Wolken. Nur ein Abstecher in die heissen Quellen des Nationalparks „Aguas Calientes Puyehue“ brachte uns etwas Wärme.

Die ganze Seenregion südlich von Pucon liessen wir links liegen und fuhren auf direktem Weg zu Jacky auf die Bacher Alm. Wir kennen ihn seit langer Zeit und haben ihn und seine Partnerin Mirza mit Familie bereits mehrmals besucht. Auf diesem wunderschönen Fleck Erde hat man die beste Sicht auf den Vulkan Villarica. Endlich zeigte sich die Sonne und wir konnten das erste Mal auf unserer Reise richtig grillieren.

Während den 7 Tagen auf der Bacher Alm schleppten wir einige Ster Holz, machten eine Wanderung zu den fünf Wasserfällen des „Rio Turbio“ und erholten uns in den heissen Quellen der „Termas de Panqui“. Regine und Wolfi, welche wir von der Überfahrt mit der Grande Amburgo her kennen, haben kurzentschlossen ihre Reisepläne geändert und sind von Bariloche, Argentinien zu uns hochgefahren. In der letzten Nacht bot sich uns ein eindrückliches Spektakel: Bei klarem Sternenhimmel reflektiert sich die Lava im Vulkanschlund rot an den austretenden Schwefeldämpfen. Schlotternd packte Dani nach einiger Zeit wieder seine Fotoausrüstung ein, in der Nacht wird es hier oben immer noch sehr kalt.

6 Responses

  1. Fredi Spillmann
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    Hola und hey ihr zwei.
    Genial sind d’Reisepricht wie immer.
    Macht Riesespass das z’läse und die schöne Bilder z’gnüsse.
    Ich flüge dänn am 3te Dezämber ab i’d Domrep und chume mitti Januar wider zrugg.
    öi zwei witerhin vil Schpass und guets Glinge uf däre Superreis
    Ganz liebi Grüess
    Fredi

  2. René W. Heer
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    Allegra Claudia und Dani
    Es freut uns, dass es euch trotz kaltem und nassem Wetter immer warm ums Herz war, dank den grossartigen Eindrücke.
    «Und die Sonne ist ja jetzt wieder aufgetaucht.»
    Der Reisebericht ist spannend geschrieben und die Profi-Fotos hat Dani sicher im Internet gefunden!!!
    Ich weiss, Dani kann nicht nur Wasser analysieren, sondern hat auch ein Auge dafür um Eindrücke in die Kamera einzufangen.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise mit vielen super «Erlebnisse».
    Liebe Grüsse

    Rosemarie und René

  3. Renate Höhn
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    Hallo Claudia, hallo Dani,
    sind das schööööne Fotos. Auch laufen euch die scheuesten Tiere vor die Linse. Tagelang habe ich versucht ein Gürteltier zu fotografieren. Es gelang mir nicht, sie waren immer zu schnell. Ganz zu schweigen von den herrlichen Fotos von der Natur, ob bei Tag oder Nacht. Grandios! Danke!
    Weiterhin eine wunderschöne Reise.
    Liebe Grüße
    Renate aus dem Schwarzwald

  4. Ralf Kahr-Reiter
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    Hallo ihr Lieben,
    seht schön Bilder! Wann hat Dani zu fotografieren gelernt? 😉
    Da bekomme ich auch gleich wieder fernweh…
    Genießt es! Ich bin ab dem 1.12. für 10 Tage in Iquique.
    Lg Ralf

  5. Christoph
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    Salüt zäme,
    immer wieder gern lese ich diesen Mix aus Abenteuer, Planung, Plan B Planung, Naturschauspiel und Kultur. Danke auch für die tollen Fotos! Bei uns ist es jetzt weiss und mit -5° recht knusprig. Papa ist fleissig am Holz nach schieben im Kachelofen. Ich helfe grad als Koch aus bei einem Kollegen, Mama ist am Weihnachtsguezli einpacken in einer Bäckerei und Lilian testet Skis. Soweit alles unter Kontrolle. 🙂 Liebe Grüess Christoph

  6. Toni Schraner
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    Sali Claudia und Dani

    Super schöne Fotos. Süffig präsentiert und beschrieben.
    Wir sitzen zur Zeit im dicksten Nebel und dann sind solch farbenfrohe Fotos eine Wohltat für die Seele.
    Wir freuen uns auf den nächsten Aufsteller von Euch.
    Liebe Grüsse Regina und Toni

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