Mexico – Baja California

eingetragen in: Mexico 2024/2025 1

Vom Schnorcheln mit Walhaien, dem gemeinsamen Offroad-Abenteuer quer über die Baja und einsamen Stränden werden wir noch lange Träumen. Aber vor allem in Erinnerung bleiben werden uns die zahlreichen Begegnungen und gemeinsamen Stunden mit anderen Reisenden während den sieben Wochen unterwegs.

Lateinamerika, aber doch von Amerika stark beeinflusst, so würden wir die Baja California beschreiben. Der mexikanische Bundesstaat südlich von Kalifornien war ein optimaler und sanfter Einstieg in eine andere Kultur und Sprache. Landschaftlich eine Fortsetzung von Kalifornien mit Wüste, Hügeln und Bergen und einer Vulkanlandschaft, eingebettet zwischen Pazifik und dem «Golf von Kalifornien». Der Grenzübertritt war problemlos, die Zöllner sehr hilfsbereit und nett. Wir füllten den Kühlschrank mit Früchten und Gemüse auf, diese durften wir nicht über die Grenze mitnehmen. Richtig willkommen geheissen wurden wir beim Mittagessen in einem kleinen Restaurant. Die Besitzer und die Köchin freuten sich so sehr über Gäste aus Übersee, dass es zum Abschied sogar einen Kuss auf die Wange gab: «Bienvenidos a Mejico»!

In «San Felipe» wurde der «Dia de los Muertos» gefeiert, ein farbenfrohes und fröhliches Fest für die Verstorbenen. Auf dem Spaziergang durch das Städtchen hörten wir Schweizerdeutsch vor uns und liessen die Bemerkung fallen: «Achtung, wir verstehen euch». Simone und Klemmi leben schon seit etlichen Jahren hier und wir hatten uns viel zu erzählen. Uschi und Peter aus Deutschland stiessen auch dazu, sie leben seit langer Zeit in «San Diego» und waren hier in den Ferien. Kurzerhand wurden wir zum Wurstkäsesalat eingeladen, Dani schwebte auf Wolke 7. Am nächsten Tag verabredeten sich die Männer zum Musik machen an einer Jam Session und Danis Bassukulele untermalte den Sound.

Durch riesige Saguaro Kakteenwälder und vorbei an Cirios Kakteen führt die Caretera 5 (Landstrasse) der Küste entlang Richtung Süden. Die Militärpolizei kontrolliert den Strassenverkehr und sucht nach Drogen. An einer dieser nicht gerade benutzten Stationen benutzten wir die Grube und inspizierten «Condorito» wieder einmal ausgiebig von unten. Unterwegs nach «Bahia de los Angeles» trafen wir Margrit und Georg aus dem Süden von Deutschland. Sie wollten wie wir die Walhaien sehen und so organisierten wir in «Bahia de los Angeles» die Schnorcheltour mit Mike. Zuerst machten wir einen Stopp bei den Seehunden, diese ruhten sich um einen Felsen in einer Bucht aus und liessen sich mit etwas Abstand im Wasser gerne beobachten. Aber auch wir wurden ausgiebig beäugt, immer wieder kam einer nahe an uns heran und kurvte um uns Schnorchler neugierig umher. Den Delfinen schauten wir aus dem Boot zu, sie lieben die Bugwelle des fahrenden Bootes und surften immer wieder mit. Das absolute Highlight waren aber die Walhaie, diese liessen uns eine Zeit lang mitschwimmen. Zwar musste man ziemlich paddeln um mitzuhalten, dafür konnte man sie umso länger aus nächster Nähe geniessen. Mike liess seine Drohne steigen, so entstanden die Luftaufnahmen mit den grössten Fischen im Meer und uns. Insgesamt besuchten uns drei Walhaie, ein Glück, denn diese ziehen wegen den abkühlenden Wassertemperaturen bald weiter.

Weiter südwärts folgten wir einem Offroad-Track, der uns teilweise durch tiefsandige Stellen und über felsige Hügelketten führte. Dort trafen wir auf Malina und Ken aus Utah, welche wir aus ihrer misslichen Lage befreiten. Sie stürzten mit ihrem Motorrad mehrmals und da der Kühlventilator weiter lief, leerte sich die Batterie. Sie warteten bereits über 24h, zwei vorbeikommende Velofahrer wollten ihnen nicht helfen und sie hatten nur gerade noch einen Schluck Wasser dabei. Da wir kein Starterkabel dabei hatten, bastelte sich Dani eine Notlösung aus zwei Elektrodrähten. Nach ein paar Fehlversuchen liess sich das Motorrad starten, alle jubelten und die beiden waren sehr erleichtert. Wir campten gemeinsam am Strand, kochten für alle und verabschiedeten uns am nächsten Morgen mit dem Wunsch, nie in so eine missliche Lage zu geraten.

In «San Ignacio» im südlichen Teil der Baja tauchten wir in eine andere Welt ein. Bis jetzt hatte die karge Wüste die Landschaft geprägt, dieser kleine Ort aber leuchtete grün. Die Spanier hatten im 16. Jahrhundert Datteln via den Römern aus Nordafrika mitgebracht und diese Nachkömmlinge bringen regelmässige Ernten ein. Dank dem klugen Bewässerungssystem sind dieser Ort und der kleine Camping, auf welchem wir zweimal übernachteten, eine Oase für viele Vögel. Dani gelangen ein paar schöne Fotos von Kolibris und bunten Sperlingen, so dass die Campingplatzbesitzer diese auch unbedingt wollten für ihre Facebook- und Instagram-Seite.

In Mulegé begegneten wir neben Margrit und Georg auch weiteren Reisenden und verbrachten einen schönen Abend gemeinsam im alten Städtchen beim Nachtessen. Und wir trafen Mana und Dani, unsere Fahrzeuge standen nebeneinander in Affoltern am Albis im Jahr 2022 vor unserer Abreise nach Halifax. Sie waren etwas später abgereist als wir und die letzten beiden Jahre in Zentralamerika unterwegs. Immer wieder hatten wir losen Kontakt und hofften, uns irgendwo auf dem nordamerikanischen Kontinent wieder zu sehen. Die Wiedersehensfreude war gross und unsere gemeinsame Offroad-Begeisterung liess uns einen Trip quer über die Baja nach «San Juanico» planen. Wir stockten unsere Vorräte auf und los ging es. Schon lustig, wenn ein Zürcher einem Aargauer Auto durch die Wüste folgt. Auch hier wieder hinterliessen die Spanier ihre Spuren mit Palmenoasen an momentan trockenen Flussläufen. An einem Ort hatten wir Glück und konnten uns an einem Wasserloch abkühlen. Am Lagerfeuer abends erzählten wir, was wir in den letzten 30 Monaten alles erlebt hatten, sie an der Wärme in Zentralamerika, wir in den kühleren Gebieten in Kanada und den USA. Der Offroad-Track liess uns langsam vorwärts kommen und wir genossen die Fahrt sehr. Zurück an der Ostküste relaxten wir am Strand an der «Bahia de Conception» und einem idyllischen Platz in «Punta Aguja», nördlich von «Agua Verde», spielten «Exploding Kitten» (Kartenspiel), gingen schnorcheln, beobachteten Mobulas bei ihren wilden Sprüngen und taten wieder einmal etwas für unsere Fitness mit Krafttraining.

In «La Paz», der Hauptstadt der Baja bekam Condorito einen kompletten Wechsel aller Öle in zwei verschiedenen Garagen, da jede sich auf einen Teil der Automechanik spezialisiert hat. Das Unterfangen dauerte den ganzen Tag, denn das Oel mussten wir vorher selbst bei verschiedenen Händlern organisieren. Weniger Glück hatten unsere Reisegefährten Margrit und Georg, welche wir hier wieder trafen. Die Aufhängung des Dieseltanks war abgebrochen, dieser bekam Risse und verlor Treibstoff. Wir halfen ihnen mit Umpumpen des Diesels, Finden eines Alutank-Schweissers und dem Ausbau und wieder Einbau des Tanks. Kaum war das eine Problem gelöst, tropfte es aus der Servooel-Leitung. Auch hier konnten wir eine geeignete Garage ausfindig machen und dank den Improvisationskünsten des Mechanikers das Leck reparieren. Im Gegensatz zu Europa und den USA/Kanada wird hier noch repariert und nicht nur Teile ausgetauscht. Ein Glück für den Iveco, denn Ersatzteile hätte man mühsam aus Deutschland einfliegen lassen müssen.

Mit Mana, Dani, Margrit und Georg fuhren wir gemeinsam zum Unterwasser-Nationalpark «Cabo Pulmo». Machten aber noch einen Zwischenstopp in «El Triunfo», einer Goldgräberstadt aus früheren Jahren. Die hohen Kamine der Schmelzöfen sowie Überreste der Mineninfrastrukur zeugen noch aus dieser Zeit. Das Highlight war aber das «Cafe El Triunfo»: Buttergipfeli, Holzofenpizza und Sauerteigbrot mit Nüssen. Auch das Ambiente des Restaurant stimmte: Verspielte Ziegelsteinmauern mit Bougainvillea überwachsen, grosse Goldkugel-Kakteen als Dekorelemente und ein kreisrunder Ausblick geschmückt mit verzwirbeltem Holz. Beim einem Käsefondue mit dem feinen Brot liessen wir den Abend gemeinsam ausklingen.

Seit über elf Jahren waren wir nicht mehr getaucht und hatten seit den Schnorcheltrips wieder das «Unterwasser kribbeln» gekriegt. So buchten wir gemeinsam mit den deutschen Reisegefährten zwei Tauchgänge am nächsten Tag. Die Sicht war durch den starken Wellengang sehr eingeschränkt, die Dünung auch Unterwasser spürbar und trotz 7mm Tauchanzügen froren wir im 22°C warmen Wasser rasch. Beim zweiten Tauchgang hörte man unter Wasser die Buckelwale singen, die riesigen Säugetiere waren aber nicht zu sehen. Claudia kriegte von dem nichts mit, ihr war speiübel wegen dem Wellengang und sie fütterte unfreiwillig vom Boot aus die Fische.

Mit Mana und Dani verbrachten wir die letzten zwei gemeinsamen Tage mit Walbeobachtungen vom Strand aus. Bereits beim Morgenessen sah man den Blas vom Ausatmen oder die riesigen Wasserfontänen der Sprünge am Horizont. Wir brachen alle in Jubel aus, als ein kleinerer Wal nur gerade 150m vom Strand aus in die Luft sprang und sich seitwärts mit einem Splash wieder fallen liess. Ein schöner Abschied für die vier Wochen gemeinsam unterwegs: Wir freuen uns jetzt schon sehr, euch in Guatemala wieder zu treffen! Für die Fähre von «La Paz» hinüber zum Festland in Mexico hatten wir nur einen Platz auf der Warteliste. Der Nervenkitzel und die Warterei hatte sich gelohnt, zweieinhalb Stunden vor Abfahrt der Fähre erhielten wir das Ok und konnten uns die Überfahrttickets besorgen. Die Fähre wird vor allem von Lastwagen genutzt, der grösste Teil der Güter für den Süden der Baja wird so transportiert. So standen wir während 14h zwischen den grossen LKWs und schliefen im Condorito doch erstaunlich gut, bevor wir in «Mazatlan» anlegten.

  1. Jürgen Kössler
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    Weiterhin gute Fahrt! Tolle Aufnahmen!
    Wir wünschen Euch schöne Weihnachten unter der Sonne!

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