British Columbia – Von Nordwest nach Südost

eingetragen in: Kanada 2022/2023 4

Einen Monat waren wir in British Columbia unterwegs mit einem kurzen Abstecher nach Northwest Territories und Alberta. Diese Region von Kanada hat uns am besten gefallen mit seinen herzlichen Bewohnern und sehr abwechslungsreichen Landschaften. Endlich konnte Dani wieder die Aussicht aus der Luft geniessen und wir bei heissen Temperaturen einen Sprung ins kühle Nass machen.

Der «Alaska Highway» brachte uns von «Watson Lake» an den «Liard Hot Springs» vorbei nach «Fort Nelson». Zwischendurch zählten wir die Camper und RV’s, welche uns entgegen kamen. Im Durchschnitt einer pro Minute und dies auf 500km Strecke. Die Ferienzeit in den USA und Kanada hatte begonnen und gefühlt jeder zweite Einwohner des nordamerikanischen Kontinents war unterwegs in den Norden. Die Bären und eine Herde Bisons entlang des Highways liessen sich nicht stören, uns war der Rummel auf der Strasse aber zu viel. So fuhren wir nochmals nordwärts auf dem «Liard Highway» Richtung «Yellowknife» in «Nortwest Territories». Ein Schutzgebiet für die Waldbisons wurde dort errichtet, wir sahen die Tiere bereits vorher um Gebäude in den Dörfern und entlang der Strasse weiden. Die grösste Herde zählte über 50 Tiere: Ein Bulle mit seinen Kühen und deren Kälber. Diese liessen sich durch uns nicht stören, säugten sogar ihre Jungen und wir beobachteten sie mit genügend Abstand während einer langen Zeit. Junge Bullen waren abseits der Herde in kleinen Gruppen unterwegs und massen zwischendurch ihre Kräfte mit ihren mächtigen Hörnern. Wieder südwärts unterwegs machen wir einen Abstecher nach «Zama City», einem ehemaligen Ort in welchem Gas- und Erdöl gefördert wurde. Ein Teil der Infrastruktur wurde noch betrieben: Die freiwillige Feuerwehr trocknete ihre Schläuche, welche sie wegen einem gelöschten Waldbrand in der Nähe genutzt hatten. Ansonsten machte der Ort abgesehen von ein paar bewohnten Häusern einen verlassenen Eindruck. Nur eine kleine Bisongruppe graste friedlich auf dem Spielplatz und zwischen den Gebäuden. Auf einer Backcountry Road fuhren wir weiter, die Feuerwehrleute hatte uns versichert, dass wir südwärts keine Probleme mit den zahlreichen Waldbränden haben sollten. Dann tauchte im nirgendwo aus dem Dickicht eine Herde Bisons auf, kamen einzeln auf dem Track ein paar Schritte auf uns zu, begutachteten uns neugierig und verschwanden wieder im Wald. Die Begegnung war extrem eindrücklich für uns, die urtümlichen Büffel strahlen eine grosse Faszination aus, wenn man sie in ihrem ursprünglichen Habitat beobachten kann.

Seitdem wir mit Ilya in «Atlin» den Rundflug über die Gletscher gemacht hatten, waren wir immer wieder in Kontakt mit ihm. Er arbeitet momentan in «Fort Saint John» im Erdöl- und Gasförderungsbereich und wir machten einen grösseren Umweg, um ihn dort an seinen freien Tagen zu besuchen. Zum Nachtessen trafen wir auch seinen Freund Stas, welcher wie Ilya aus Russland vor langer Zeit nach Kanada ausgewandert ist. Sie erzählten uns von ihrem nicht einfachen Start und den Schwierigkeiten auf einem anderen Kontinent Fuss zu fassen. Heute haben beide einen der bestbezahlten Jobs im Land, müssen dafür aber einiges in Kauf nehmen und immer wieder von einem Ort an den nächsten ziehen. Den Abend liessen wir am «Peace River» ausklingen und übernachteten das erste Mal auf einem «Walmart» Parkplatz inmitten der Stadt. Da Claudia noch nicht richtig mobil war, schauten wir Ilya am nächsten Tag an verschiedenen Orten beim Renndrohnen fliegen zu, anstatt etwas Abenteuerliches zusammen unternehmen zu können. Obwohl dies hatte auch seinen Nervenkitzel, er beherrscht die Drohne so perfekt, dass er sogar einen Flug unter Condorito durch machte und dann wieder über das blühende Rapsfeld hinwegraste. Am Abend stiess Stas auch wieder zu uns, da er arbeitete hatte er nur kurz Zeit gemeinsam mit uns zu essen. Beim Fischen hatten wir eine Menge Spass. Mangels Würmer hatte Ilya Ölsardinen gekauft. Dank Danis Idee diese mit Handschuhen am Hacken zu befestigen, blieben die Finger verschont vom Fischgeruch. Und die Fische blieben am Leben, da sie die Sardinen vom Hacken frassen und sich nicht fangen liessen. Wir hoffen, Ilya irgendwo südwärts wieder zu treffen, wir hatten eine wirklich schöne und lustige Zeit zusammen.

Weiter südlich fuhren wir nochmals nach «Jasper» und ergatterten einer der letzten Plätze auf dem Nationalpark Campingplatz. Auch hier waren Unmengen an Touristen unterwegs, auch viele aus Übersee. Trotz langen Warteschlangen vor dem «Jasper Sky Tram» konnte Dani mit dem Gleitschirm diese elegant umgehen und erhielt noch einen Platz in der engen Seilbahn. Es brauchte Geduld, um ein geeignetes Startfenster abzuwarten, Gewitterwolken bauten sich in der Ferne auf, schütteten kurz aus und die Sonne schien wieder. Claudia beobachtete ihn vom Landeplatz aus, welcher direkt neben dem Campingplatz lag. Die Aussicht aus der Luft über einen Teil des Nationalparks war gewaltig, die türkis- und königsblauen Seen stachen besonders heraus.

Gefühlt im stockenden Verkehr ging es weiter auf dem «Icefield Parkway», die Highlights liessen wir aus, das Chaos auf den Parkplätzen war zu gross. Dafür hatten wir am Abend im Pub an der «Saskatchewan Crossing» beim Billiard spielen eine Menge Spass mit Touristen aus Australien. In «Lake Louise» lockte ein feines «Pain au Chocolat» aus der Bäckerei, welches wir im letzten Herbst entdeckt hatten. Doch auch hier war so ein riesiges Verkehrschaos und keine Chance auf einen Parkplatz, dass wir eine Weiterfahrt in den «Banff National Park» kein Thema mehr. Dafür lohnte sich der Abstecher zu den «Takakkaw Falls» im «Yoho National Park», die enormen Wassermengen donnerten dank den Gewittern der letzten Tage besonders eindrücklich ins Tal.

Nicht nur im Norden von «British Columbia» gab es zahlreiche Waldbrände, auch in den Skigebieten entlang der Rocky Mountains war der Rauch allgegenwärtig. Mangels Thermik gab es in «Golden» nur einen kurzen Flug, dafür war die Sonne bereits am Nachmittag gelb/rötlich eingefärbt. Weiter südwestlich in «Revelstoke» sah man vom Städtchen nicht einmal zum Startplatz hinauf und somit war ein weiterer Flug unmöglich. Erst in «Salmon Arm» zeigte sich der Himmel wieder königsblau und wir genossen am See einen Tag im und am Wasser.

Zurückzukommen ins «Okanagan Valley» war ein bisschen wie heimkehren. Einerseits deckten wir uns in «Helmuts Sausage Kitchen» mit Bratwürsten, Servelats, Aufschnitt und Aromat ein, Dani fühlte sich wie im Paradies. Andererseits hatten wir letzten November hier auf den Schnee gewartet und unsere Skispuren im federleichten Pulverschnee hinterlassen. Doch dieses Mal war intensives Gleitschirmfliegen in «Lumby» angesagt, campen auf dem Landeplatz, Hausberg direkt davor und viel «Paratalk» mit den Piloten aus verschiedenen Ecken in Kanada. Die Thermik hielt sich hier nicht ans normale Muster, die gewonnene Höhe war innert Minuten wieder vernichtet. Dani stand ungewollt kurz nach dem Start wieder am Boden, wenn er keine rettende aufsteigende Luft mehr gefunden hatte. Am Abend sassen wir alle zusammen, spielten «Kubb» oder feierten den Geburtstag einer der Piloten. Claudia war in der Zwischenzeit wieder so mobil, dass sie die Autos der Flieger vom Startplatz herunterfuhr. Eine Fahrt mit einem «Dogde Ram Rebel» war das Highlight, dagegen sah Condorito verschwindend klein aus. Am sechsten Tag war die Wettervorhersage an einem Startplatz weiter nördlich besser und die Gruppe mit ihrer Fahrerin fuhr nach «Mara Lake». Einigen Piloten gelang es sogar, einen kurzen Streckenflug während dieses heissen Tages zu machen und das Glace danach schmeckte doppelt so gut. In der Nacht zogen so heftige Gewitter auf, dass wir uns das erste Mal nicht mehr so sicher fühlten im Condorito. Der Regen prasste mit einer ungeheuren Wucht auf die Glasfaserkabine und der seitliche Wind schüttelte den Camper heftig hin und her. Vielen Dank allen Piloten aus Lumby, wir haben die Flugwoche mit euch sehr genossen!

In «Penticton» lud uns Adam zum Mittagessen ein, in seinem Airbnb hatten wir letztes Jahr fast einen Monat verbracht. Das Wiedersehen war sehr herzlich und wir hatten uns gegenseitig viel zu erzählen, was in den letzten acht Monaten alles passiert war. Den Entscheid noch ein paar Tage in den «Apex Mountains» zu verbringen, stellte sich als Glücksfall heraus. Die Luft war angenehm kühl auf 1’900müM., den Übernachtungsplatz am idyllischen See hatten wir für uns allein und kurze Wanderungen waren wieder möglich. Dabei stiessen wir auf unzählige Pilze, die wegen den Regenfällen in höheren Lagen aus dem Boden geschossen kamen. Wir liessen aber das Sammeln sein, da Pilze hier doch ganz anders aussahen als in der Schweiz. Am nächsten Morgen fuhren zwei Autos neben uns hin und beim Öffnen des Kofferraums sah Dani einen Pilzkorb. In Rekordzeit waren wir bei den Pilzsammlern, Auswanderer aus Polen und China. Wir zeigten ihnen unsere Fundorte und sie freuten sich so über unsere Begegnung, dass sie uns bei sich einluden. Bei einer Pilzsuppe und viel Bier genossen wir den Nachmittag in ihrem Garten. Zum Abschied schenkte uns Grażyna selbst getrocknete Früchte, frisch gemachte «Piroggen» und ein grosses Glas Konfitüre. Herzlichen Dank für eure Gastfreundschaft Grażyna und Art sowie euren Gesprächen mit Kay und Ziggy.

Die Fahrt von «Osoyoos» auf dem «Crowsnest Highway» Richtung Osten war landschaftlich sehr abwechslungsreich. Sogar einige Schweizer Fahnen schmückten die Häuser, vielleicht weil der Nationalfeiertag kurz bevorstand? In Creston an der Grenze zu den USA bereiteten wir aus auf den Grenzübertritt vor und campten bei sehr heissem Wetter angenehm unter einem Blätterdach von Ahornbäumen.

4 Responses

  1. Werner
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    Hab sofort gedacht, der Flug über das Rapsfeld konnte nur mit einer Drohne gemacht worden sein. Aber unter dem Condorito durch, das wäre mir dann zu schade gewesen für die Drohne. (Habs gesehen, bevor ich den Text gelesen habe).
    So, jetzt habt Ihr wahrscheinlich schon die halbe Welt gesehen und grosse Abenteuer erlebt, das muss ja wirklich schön sein. Ist das nicht anstrengend, aber für junge Leute offenbar nicht. Geniesst es.

    Liebe Grüsse und vielen Dank für die schönen Fotos.
    Werner

  2. Fredi Spillmann
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    Liebe Claudia und Dani
    Immer wieder freue ich mich eure unterhaltsamen Berichte zu lesen.
    Ich habe hier in Hedingen meine Familie aus Santo Domingo zu Besuch.
    Im September geht es dann wieder für 2 Monate nach Madagascar.
    Alles Liebe und Gute, und weiterhin viel Glück auf eurer Reise.
    Herzliche Grüsse
    Fredi und Familia

  3. Stas
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    It was great too meet you, guys. Hope , you will be back towards us. Or stop by Calgary. If fate works out i will accomodate you there with pleasure. Take care.

  4. Pierrard Claudine
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    Wir freuen uns immer wieder von euch und euren Abenteuern zu lesen und denken gerne an unsere Zeit durch Kanada und die USA zurück lg Claudine &Romain

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