Kuhstall-Praktikum

eingetragen in: Schweiz 3

Als Vorbereitung für den Sommer auf der Alp habe ich bei Hedy und Marcel ein Kuhstall-Praktikum im Thurgau absolviert. Eine Woche melken, misten, Kälber tränken, Milchgeschirr waschen, Kühe striegeln, Futter verteilen und Traktor fahren war zwar in den ersten Tagen eine Herausforderung aber gab auch eine grosse Befriedigung.

Auszug aus einem Arbeitstag: Am Morgen früh gibt es zuerst mal einen Kaffee und Tee im Stall um wach zu werden. Hedy und Marcel fangen mit dem Melken an, meine erste Aufgabe ist es einer der vier Ställe zu misten. Nicht nur wir Menschen haben Mühe mit Aufstehen, auch einige der Kühe brauchen länger bis sie wach und munter sind. So miste ich so gut es geht um die noch liegenden Kühe herum und bringe den Mist auf den Misthaufen, der Rest wird mit einem Handschieber in den Güllenkasten geschoben. Bereits hier braucht es Kraft, die Rampe zum Misthaufen ist zwar nicht steil, aber mit einer vollen Karre ist Muskelkraft angesagt. In der Zwischenzeit hat Sepp (der Grossvater) die Kühe ein erstes Mal gefüttert und nun stehen auch die Langschläfer. Alles noch mit Wasser herunterspritzen und weiter zum nächsten Stall und gleiches Prozedere von vorne. Sobald etwa die Hälfte der Kühe gemolken wurde, werden die 5 Kälber getränkt. Die Jungmannschaft wartet schon ungeduldig auf mich. Die Milch muss aufgewärmt werden, damit sie die richtige Temperatur für die Kälber hat, etwas zu kalt oder warm ist nicht gut für die Verdauung. Nuggi mit langem Schlauch rein und die 3 Liter Milch im Kübel sind in kürzester Zeit leergetrunken. Vorher und nachher gibt es ein paar Flocken zum fressen, immer genügend Heu und frisches Wasser. Auch die Teenies wollen einen sauberen Stall und nutzen die Gelegenheit die „Neue“ aus nächster Nähe beim Misten zu beschnuppern.

Der Strohvorrat befindet sich im Stall im Nachbardorf. Dort sind neben dem Strohlager auch die Rinder eingestellt. Um einen 260kg schweren Strohballen zu transportieren braucht es einen Traktor. Bei der Frage ob ich Lust auf Traktorfahren habe, antwortete ich umgehend mit Ja, am liebsten selbst fahren. Dies ging erstaunlich gut, kommt doch unser Condorito mit seinem Dieselmotor einem Traktor näher als ihm lieb ist J. Zurück auf dem Hof habe ich die Strohballe portionenweise durch den Häcksler gelassen, daraus entsteht die Einstreu (Bettunterlage) für die Kühe. Nach dem Mittagessen war Güllen angesagt, da wurden meine Traktorfahrkünste wieder geschmälert. Rückwärts mit einem Güllenfass aus einer engen Einfahrt zu manövrieren war dann ohne Übung doch zu viel. Entweder stand der Traktor falsch oder das Fass zeigte in die falsche Richtung… hier braucht es eindeutig noch Lernfahrstunden und Einparkhilfe.

Am Anspruchsvollsten war das Melken. Jeweils am Abend half ich mit die 40 Kühe mit der Maschine zu melken. Bevor man die Melkmaschine anhängt, müssen zuerst die Euter grob gesäubert werden. Jeder Zitze melkt man kurz von Hand, einerseits um zu schauen, dass es keine Entzündungen im Euter gibt und auch um den „Milchkanal zu spülen“. Da man mit Lebensmitteln arbeitet ist die Hygiene ganz wichtig. Anschliessend wird die Melkmaschine angehängt und es wird kontrolliert, ob aus allen 4 Zitzen gleichmässig Milch kommt. Dann noch die optimale Länge des Verbindungsschlauches der Melkmaschine einstellen und weiter geht es zur nächsten Kuh. Nur mit einer Melkmaschine wäre das ja noch easy, aber mit 4 gleichzeitig… Kaum hat man Petra angehängt, piepst es gleichzeitig bei Tiziana und Irina, sie sind fertig gemolken. Kontrollieren ob das ganze Euter wirklich leer ist, die Maschine langsam abhängen und die Zitzen desinfizieren. Was die Herausforderung ausmacht ist die Persönlichkeit der Tiere. Die eine steht ruhig und still da, bewegt sich kaum. Die andere „tänzelt“ schon beim anmelken und es braucht immer wieder einen Blick, ob die Maschine noch am richtigen Platz ist. Was mir sicher sehr geholfen hat ist meine ruhige Art und das ich vor den Tieren zwar Respekt aber keine Angst habe. Alles andere hätte sich auf die Kühe übertragen und wäre sicher nicht hilfreich gewesen.

 

Nach dieser intensiven Woche war ich müde aber glücklich. Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend und die Tage waren lang für einen Bürogummi wie mich. Dafür ist das Gefühl am Abend todmüde ins Bett zu fallen ein ganz anderes: Es schwirren einem nicht zwanzig Sachen im Kopf herum, welche morgen gleichzeitig im Büro gemacht werden müssen. Der Tagesablauf der Tiere bestimmt die Arbeit und darin gibt es glücklicherweise keinen Stress.

Einen ganz grossen Dank an Hedy und Marcel, welche mir das Praktikum ermöglicht haben! Und euch weiterhin viel Erfolg mit dem Bau des neuen Freilauf-Stalls. Und falls das neue riesige Güllenloch dann mal voll ist, solange ich nicht alleine rückwärtsfahren muss, helfe ich gerne beim Güllen führen!

3 Responses

  1. Werner Munz
    |

    Liebe Claudia
    Nun hat es geklappt mit den Bildern. Vielen Dank. Nimmst Du evtl. eine Tanse voll Milch und eine Käse mit auf die Reise? Und wann wollt ihr losfahren? Vielleicht seid ihr ja froh, wenn ihr weitab von der Zivilisation seid und nur noch Landwirtschaftliche Gebiete vor Euch habt und dann die notwendigen Arbeiten eines Bauern für eine Selbstversorgung kennt.
    Liebe Grüsse, auch an Dani
    Werner

  2. Condorito
    |

    Lieber Werner, herzlichen Dank für deinen Kommentar! Liebi Grüess Dani & Claudia

  3. Anton Schmid
    |

    Faszinierend und interessant! Schöne Zeit und herzliche Grüsse Anton Schmid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.